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Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:16
von Huebi
Mayday21 hat geschrieben:
Nur - warum wird aus jungen, energiereichen, intelligenten Menschen rekrutiert, die in Hochschulen oder Firmen sinnvollere Arbeit leisten könnten?
Warum werden eben nicht jene Arbeitslosen herangezogen, von denen es sicher auch arbeitswillige gäbe, die sogar gerne solche Arbeiten anstatt der 1 Euro Jobs übernähmen.
Und diesen elendigen Drückeberger, die sich auf Kosten der Gesellschaft durch schmarotzen (leider kenne ich ein solches Musterexemplar), könnte man so sogar sinnvoll beikommen.
Hmm. Ich denke das ist genau das was mit dem Wehrdienst vermieden werden soll: Das Soldaten hauptsächlich nur aus einer einzigen Schicht kommen. Es sollen gleichermaßen Hauptschüler, Realschüler wie auch Abiturienten (also potentielle Studenten) eingezogen werden damit das ganze nicht zu einseitig wird. Eine reine Berufsarmee würde auch zu einer Isolation dieser Berufsgruppe führen. Zieht man nur die Leute ein, die nix anderes finden bzw. sonst keine Perspektiven haben, haben wir eine Armee, die überhaupt keinen Bezug zur eigentlichen Bevölkerung hat. In den USA werden ja meines Wissens nach größtenteils aus ländlichen Regionen Jugendliche aus ärmeren Familien geworben... find ich nicht gut.
Oder irre ich mich?
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:24
von BASStard
JensII hat geschrieben:
Sehr fies finde ich die Ungerechtigkeit und die Tatsache, dass einen sowas ein ganzes Jahr bei einer Bildungsmaßnahme klaut! Auch wenn der Zivi nur 9 Monate dauert!!!
ich glaube, wegen den Tendenzen bei der Musterung, dass ab spätestens 2010 keine Wehrpflicht mehr besteht. Dadurch werden auch einige Arbeitsplätze im Pflegebereich bei den Zivis geschaffen!
Hallo,
ich selbst habe von September 2002 bis Juni 2003 Zivildienst in einem Heim für Schwerbehinderte geleistet.
Bildungsmaßnahme hin oder her (ich bin auch schon 23 und noch in der Ausbildung!), ich bin für die Wehrpflicht, denn:
ich glaube kaum, dass eine bedeutende Anzahl Arbeitsplätze im Pflegebereich geschaffen werden würde wenn der Wehrdienst abgeschafft wird (so wars doch gemeint oder?). Viele Einrichtungen werden dann noch mehr Personalnotstand haben und der einzelne Betreuer/Pfleger/ was auch immer wird noch mehr gefordert, unterbezahlt und die Stimmung in dem Sektor noch schlechter, jedenfalls in vielen Einrichtungen. Im Heim, in dem ich arbeitete, wäre Dienst ohne Zivis kaum vorstellbar gewesen. Da könnten Einrichtungen wie Lebenshilfe, Parität, Diakonie und wie sie alle heissen, nur hoffen, dass viele Leute ein freiwilliges soziales Jahr machen, um im Falle des Wehrpflichtwegfalles wenigstens etwas Not wieder aufzufangen. Musste das mal loswerden, denn meine Erfahrung zeigt, dass der Wehrdienst v.a. wegen der Arbeit von Zivis nicht wegzudenken ist.
MfG, der BASStard
P.S.: Vielleicht ists auch ne total konservative Einstellung, für meine PErsönlichkeit jedenfalls hat der Zivildienst einiges gebracht, ich hab gesehen, dass es auch nen anderes Leben als unser unbeschwertes, meist von total banalen Sorgen geplagtes Leben gibt. Es gibt so viele Menschen, denen es deutlich schlechter geht als unsereins, das sollte man sich desöfteren mal vor Augen halten!
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:26
von eyeball
Oder die Engländer. Ein Großteil der hier stationierten englischen Soldaten ist durch die Verpflichtung zum Auslandseinsatz dem Knast in der Heimat entkommen. Nicht umsonst gibt es hier fast jedes Wochenende Schlägereien in den Kneipen und Discos. So eine Bundeswehr würde ich mir nicht wünschen. Die Ungerechtigkeit bleibt allerdings. Es darf nicht sein, dass eine Minderheit eines Jahrgangs eingezogen wird und dadurch an der Ausbildung oder dem Geldverdienen gehindert wird. Dann sollte man alle anderen zu 9 Monaten Ersatzdienst verpflichten (Frauen übrigens auch
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)
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:32
von Huebi
Ja die Ungerechtigkeit darf nicht sein. Eine reine Berufsarmee darf aber auch nicht sein. Eine bunte Mischung von Soldaten führt zu interessanten Diskussion innerhalb einer Gruppe und erweitert die Sichtweisen der Leute.
Vielleicht fehlte in der amerikanischen Armee z.B. ein Andersdenkender aus einer anderen Bevölkungsschicht der Lynndie England sagte: "Mensch denk doch mal nach, was du da eigentlich tust!" Man weiß es nicht...
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:34
von eyeball
BASStard hat geschrieben:Musste das mal loswerden, denn meine Erfahrung zeigt, dass der Wehrdienst v.a. wegen der Arbeit von Zivis nicht wegzudenken ist
Das ist natürlich Unsinn. Es darf nicht sein, dass der ganze Kranken- und Pflegebereich nur durch die Einstellung billiger Zivis bezahlbar bleibt. Genauso inakzeptabel ist es, dass immer mehr Unternehmen die Arbeit von billigen Pratikanten erledigen lässt, weil es so viele Hochschulabsolventen gibt. Wenn es mit diesem Land wieder aufwärts gehen soll, müssen sozialversicherungspflichtige Stellen geschaffen werden.
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:35
von Mayday21
@Huebi
Interessanter Ansatz, da ist durchaus was dran.
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:43
von ta
shorty hat geschrieben:Ich habe Zivildienst gemacht und es hat viel Spaß gemacht. Ich habe dabei sogar sehr viel
nützliches gelernt.
Ich auch.
Mayday21 hat geschrieben:Nur - warum wird aus jungen, energiereichen, intelligenten Menschen rekrutiert, die in Hochschulen oder Firmen sinnvollere Arbeit leisten könnten?
weil es in einer alternden Gesellschaft mit zusammenbrechenden Gesundheits- und Sozialsystemen durchaus sinnvoll ist! Leider wird schon an den Zivis gespart und viele wichtige Einrichtungen bekommen dadurch inzwischen zunehmend Probleme!
Nicht zu vergessen auch der Effekt, daß bei Rotem Kreuz und Co. viele nach dem Zivi früher ehrenamtlich weiter gemacht haben.
Warum werden eben nicht jene Arbeitslosen herangezogen, von denen es sicher auch arbeitswillige gäbe, die sogar gerne solche Arbeiten anstatt der 1 Euro Jobs übernähmen.
Weil man als Staatsbürger Rechte und Pflichten hat? Viel interessanter find ich aber die Frage, warum die Mädels nicht hinmüssen, sondern dürfen wenn sie wollen (Bund, FSJ). Ein Euro-Jobs sind IMHO qualitativ mit Zivi-Jobs nicht vergleichbar.
Und diesen elendigen Drückeberger, die sich auf Kosten der Gesellschaft durch schmarotzen (leider kenne ich ein solches Musterexemplar), könnte man so sogar sinnvoll beikommen.
Ich glaub eher das würde in ner Katastrophe enden. Stell dir mal vor du liegst mit zwei gebrochenen Beinen im Krankenhaus und bittest so jemandem, dir was vom Kiosk zu holen, oder gar nen wichtigen Brief irgendwo einzuschmeißen...
Ich find die Einrichtung Zivi/Bund auf jeden Fall sehr sinnvoll! Müßte nur fairer sein.
(Wenn ich was zu sagen hätte würd ich ganze Jahrgänge komplett einziehen, in großen Teilen 3 Monate lang zu Babysittern/Kinderbetreuer ausbilden und die dann Schulen und Kitas zur Kinderbetreuung zuteilen, sowie Au-Pair-mäßig an Kinderreiche, Alleinerziehende und sehr berufstätige Eltern. Finanzierung via Kindergeld.
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)
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:54
von nisiboy
Also ich war Zivi in einer Behindertenwerkstatt und mir haben die - damals noch 15 Monate - gut gefallen. Der Gedanke, dass ich dadurch erst später Geld verdiene und deswegen angeschissen bin, ist mir nie gekommen. Ich habe dort prima Menschen kennengelernt und Erfahrungen gemacht, die mich noch heute - fast 20 jahre später - begleiten.
Ich finde es erschreckend, alles auf den Faktor Geld zu reduzieren.
Allerdings sehe ich auch, dass es keine Lotterie sein sollte, ob mancher einen irgendwie gearteten Dienst machen muss und andere nicht. Ich halte es für sinnvoll, wenn alle Männer einen Dienst leisten müssen und Frauen einen leisten können, wenn sie wollen. Die sind in Realitas in unserer Gesellschaft schon benachteiligt genug.
Das wäre gerecht und würde dazu führen, dass wir als Gesellschaft viel mehr soziale Projekte realisieren könnten. Warum soll nicht auch ein Rollstuhlfahrer Dienst im Altenheim machen? Das wäre ein Riesenschritt in Richtung Integration.
Grüße aus dem Norden
Nisiboy
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 13:57
von Mayday21
ta hat geschrieben:Mayday21 hat geschrieben:Nur - warum wird aus jungen, energiereichen, intelligenten Menschen rekrutiert, die in Hochschulen oder Firmen sinnvollere Arbeit leisten könnten?
weil es in einer alternden Gesellschaft mit zusammenbrechenden Gesundheits- und Sozialsystemen durchaus sinnvoll ist! Leider wird schon an den Zivis gespart und viele wichtige Einrichtungen bekommen dadurch inzwischen zunehmend Probleme!
Leider kann ich Dir hier nicht folgen. Wieso spricht das gegen meine Aussage?
ta hat geschrieben:Nicht zu vergessen auch der Effekt, daß bei Rotem Kreuz und Co. viele nach dem Zivi früher ehrenamtlich weiter gemacht haben.
Ein Punkt, den ich durchaus gelten lasse.
Aber wieso sollten nicht auch Arbeitslose bei solchen Einrichtungen weiter machen wollen?
ta hat geschrieben:
Warum werden eben nicht jene Arbeitslosen herangezogen, von denen es sicher auch arbeitswillige gäbe, die sogar gerne solche Arbeiten anstatt der 1 Euro Jobs übernähmen.
Weil man als Staatsbürger Rechte und Pflichten hat? Viel interessanter find ich aber die Frage, warum die Mädels nicht hinmüssen, sondern dürfen wenn sie wollen (Bund, FSJ). Ein Euro-Jobs sind IMHO qualitativ mit Zivi-Jobs nicht vergleichbar.
Wie meinst Du das mit den Rechten und Pflichten? Denkst Du, man dürfe ihnen solche Arbeit nicht zumuten? Daß sie statt dessen daheim bleiben dürfen? Aber die 1 Euro Jobs müssen sie doch auch machen, oder?
ta hat geschrieben:
Und diesen elendigen Drückeberger, die sich auf Kosten der Gesellschaft durch schmarotzen (leider kenne ich ein solches Musterexemplar), könnte man so sogar sinnvoll beikommen.
Ich glaub eher das würde in ner Katastrophe enden. Stell dir mal vor du liegst mit zwei gebrochenen Beinen im Krankenhaus und bittest so jemandem, dir was vom Kiosk zu holen, oder gar nen wichtigen Brief irgendwo einzuschmeißen...
Nun, solchen Leuten kann man ja offensichtlich auch im jetzigen System begegnen
JensII hat geschrieben:Habe wegen der Ungerechtigkeit letztes Jahr meinen Zivi in nem Krankenhaus angetreten und vom ersten Tag an jedem auf die Nase gebunden, dass ich keinen Bock habe, mich auch nicht dafür interessiere. Da habe ich auch nie Probleme mit bekommen, weil jeder der mir was wollte nicht mehr auf mich zählen konnte. Ich habe mnir den Termin genau so gesucht, dass ich meine Technikerschule übergangslos anfangen lassen kann.
Verfasst: Mi 12. Okt 2005, 14:00
von Mayday21
nisiboy hat geschrieben:Ich finde es erschreckend, alles auf den Faktor Geld zu reduzieren.
Das mache ich ja nicht. Hoffe das ist nicht so rüber gekommen.
Ich will nur sagen, warum müssen Leute, die sich, die Gesellschaft und Deutschland nach vorne bringen können und wollen, ein Jahr verschwenden, wenn es andere Menschen gäbe, die sich daheim langweilen (das ist stark übertrieben und pauschalisiert, das trifft sicher weder auf alle jungen Menschen noch auf alle Arbeitslosen so zu!).