engineer hat geschrieben: So 26. Dez 2021, 14:56
Das mit dem Absorbieren tieferer Frequenzen basiert auf dem Umstand, dass die beste Absorbtion dann herrscht, wenn die Luftdruckänderung am Größten ist. Das ist am Ort der höchsten -> Schallschnelle der Fall und die liegt bei beim Sinus-Maximum auf 90° und damit wellentechnisch gesehen bei Lamba / 4. Somit verschiebt sich das theoretische Absorbtionsmaximum durch Abstand zur Wand immer hin zu niedrigeren Frequenzen. Aber:
Voraussetzung für ein Funktionieren eines Absorbers generell ist aber, dass die Welle auch vom Absorber ausreichend erfasst wird. Das bedeutet (laienhaft formuiliert): Die Luftteilchenverschiebungen, die (als Linie betrachtet) ...
- direkt durch den Absorber durchgehen, werden voll beeinflusst
- die schräg einlaufen, werden nur teilbeeinflusst und umgelenkt
- die am Rand vorbei gehen, laufen unbeeinflusst weiter
Die Luft neigt sozusagen dazu, sich drum herum zu drücken, so wie langsam fließendes Wasser. Heisst: Absorber wirken nur, wenn sie gross und breit sind und quantitativ viel von der Welle erfassen und mal mindestens so groß sind, daß sie qualitativ zur Wellenlänge passen. Das bedeutet im Einzelnen:
-Wellenlängen, die größer sind als der doppelte Durchmesser, gehen komplett um das Objekt
-Wellenlängen, die kleiner sind, als der halbe Durchmesser, werden komplett bearbeitet, soweit der Absorber das tut (Tiefe, Material)
- für die Wellenlängen in den beiden Oktaven dazwischen bildet sich ein Übergangsbereich, der schwer zu berechnen ist, weil er von u.a. von Beugungen und anderem betroffen ist.
Fazit:
Ein Absorber, der hinten nicht voll an der Wand steht, bietet der Luft die Chance, die Wand um die Ecke herum zu erreichen und zu reflektieren. Dies um so mehr, wenn er in der Ecke stehen sollte, aber Platz zu beiden Wänden hat. Dann kann die Luft auch von vorn direkt vorbei. Daher rate ich beim Abrücken zur Belüftung, ihn immer (aus Schallrichtung gesehen) dicht an die Wand zu setzen und zwar richtig dicht. Damit wirkt die Wand wie ein Schallspiegel und verdoppelt den Absorber ohne Lücke. Nur hintenrum kann dann die Luft (vorwiegend von den Bässen) einströmen.
Um es richtig ordentlich zu machen, zieht man den Absorber komplett von beiden Wänden weg, hat überall 10cm Platz, damit die Luft zirkulieren kann und schiebt ihn dafür bei Nutzung komplett in die Ecke und zwar richtig press.
Warum überhaupt in die Ecke?
Weil dann 2 Wände als Spiegel fungieren und den Absorber lückenlos auf das Vierfache anschwellen lassen. Damit wird das 4-fache der Schallenergie im Raum bearbeitet. Teile des Absorbers, nämlich die Fläche, die auf dem Boden steht, wird auch nochmal gespiegelt. Der bautechnisch effektivste Absorber ist daher ein Würfel, der auf dem Boden liegt. Der bearbeitet das 8-fache seines umbauten Volumens, während einer in der Mitte des Raumes nur auf Faktor 2 kommt.
Einen solchen könnte man hier allerdings auch noch vorsehen und zwar unter dem Billiardtisch! Teile der Basswellen werden diesen Absorber durchtreten und für den gilt dann auch Lamba/4 - und da er einen großen Abstand zur jeweiligen Wand von 1-2m hat, wirkt er grundsätzlich mal sehr tief. Da er aber auch richtig groß sein kann, dürfte er qualitativ und quantitativ Wirkung zeigen. Ich schätze mal, dass unter so einen Tisch sicher 4 Pack Sonorock passen dürften. Bei meinem Producer-Tisch, der hinten im Raum im Diffusfeld steht, habe ich auch so einen Doppelpacken hingebaut. Das hat messbare Effekte.
Was man nicht machen sollte:
Würfel verwenden, die dekorativ in der Luft rumhängen, wie sie von vielen "Akustikexperten" neuerdings verkauft werden. Das sind einsame Würstchen, die keine Reflextionsfläche nutzen und zu 100% nur Wellen bearbeiten, die maximal halb so groß sind wie ihr Durchmesser.
Und was man auch infragestellen sollte:
Runde Bassabsorber in Tonnenform, mit denen man die Ecken nicht richtig gefüllt bekommt und damit nur einen Bruchteil der möglichen Tiefe nutzen kann und welche obendrein auch noch Luft an den Seiten vorbei lassen. Ich hatte mir solche mal gebaut: Es handelt sich um tonnenförmige Wäschebehälter aus leichtem Stoff, mit einer Metallspirale selber ihre Form halten und die ich mit Steinwolle ausgestopft hatte. Die sind leicht, dekorativ und man kann sie gut positionieren. Sie bieten aber trotz der theoretischen Flächenfüllung des Kreises von PI/4 = 75% nicht einmal 40% der Wirkung eines rechteckigen Absorbers - insbesondere wenn man mehrere press stellt. Daher sind die Tonnen wieder aus dem Studio verschwunden.