Hallo Vinylman, hallo zusammen,
Ihre sehr interessanten Fragen nehme ich zum Anlass, mich endlich auch mal wieder zu Wort zu melden, nachdem es um mich aus sicherlich bekannten Gründen - etwas still geworden ist in letzter Zeit.
Zu Ihren Fragen:
Vinylman hat geschrieben:Es wird gesagt und auch hier von den bisherigen Hörern bestätigt, dass die NuVero 14 weit breiter abstrahlt als die bisherigen Spitzenmodelle, wodurch die Hörzone breiter wird. Nun, handelt man sich nicht genau damit weit mehr überlagernde Raumreflektionen ein, die das Klangbild überlagern und verfälschen, die also die NuVero aufstellungskritischer machen?

Tatsache ist: Die Mittel- und Hochtöner bündeln weniger, damit strahlt die NuVero 14 logischerweise schon breiter ab. Nach der bisherigen Hörerfahrung scheinen aber die nuVero-Säulen eher unkritischer in der Aufstellung zu sein, was natürlich zunächst widersprüchlich klingt. Der Widerspruch löst sich aber, wenn man sich klarmacht, dass der Diffusfeld-Frequenzgang gerade
wegen des geringeren Bündelungsmaßes - insbesondere des Mitteltöners - gleichmäßiger ist. Das bedeutet, dass der Schall, der von den Wänden reflektiert wird, ein ausgeglicheneres Frequenzspektrum hat. Speziell der fürs Gehör besonders kritische Übergangsbereich zwischen Mittel- und Hochtöner ist "weicher", was mit großer Wahrscheinlichkeit eine der Ursachen für die "sauberere" Spielweise der Vero darstellt.
Wirklich aufstellungs
kritisch sind eigentlich nur Vollbereichs-Dipol- oder Rundstrahler. Die NuVero 14 ist aber immernoch weit weg davon, Eigenschaften eines Vollbereichs-Rundstrahlers zu besitzen. Die Frequenzen, bei denen die NuVero breiter strahlt, beziehen sich vorwiegend auf den Mittelhochtonbereich. Aufstellungskritisch wird eine Box eher im Bereich darunter, also im unteren Mittelton und natürlich ganz besonders im Bass. In diesem Bereich ist eine nuVero 14 auch wieder eher aufstellungsunkritischer, da ihre vier Tieftöner im oberen Bassbereich sowie im unteren Mitteltonbereich näherungsweise zylinderförmig abstrahlen und nicht kugelförmig.
Vinylman hat geschrieben:Ferner, wenn die NuVero mehr Tiefgang als die NW 125 ohne ATM besitzt, heißt das dann im Umkehrschluss, dass man eher einen geringen Wirkungsgrad unter 85 dB/W/m gewählt hat, da ja meines Wissens die Maximallautstärke immer vom Bassbereich in einem Lautsprecher vorgegeben wird?:)
Der Wirkungsgrad der NuVero 14 ist mit 85,5 dB/1W/1m zwar nicht atemberaubend hoch, liegt aber immernoch in einem eher "verstärkerfreundlichen" Bereich. Somit ist die NuVero 14 gerade mal 1 dB leiser als die NuLine 122/NuWave 125. In sofern muss ich Malcom hier ein bisschen korrigieren

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Vinylman hat geschrieben:Die neuen Langhubtieftöner sind ja wesentlich kleiner als die großen Chassis der NW 125/NL122. Normal würde das ja bedeuten, dass die Schwingspulen weit schneller den linearen Arbeitspunkt überschreiten oder die Schwingspulen umgekehrt sehr lang gewickelt sein müssen. Wurde das quasi ausgeschlossen, indem nun mehr kleinere TT diesselbe oder mehr Membranfläche zur Verfügung stellen?
Zwar sind die Chassis kleiner als bei der NuLine 122/NuWave 125, aber es sind ja auch doppelt so viele. Die Gesamt-Membranfläche im Bass ist damit ziemlich genau wieder die selbe wie bei 122/125 (etwa 520 Quadratzentimeter). Allerdings ist die Schwingspule des einzelnen Chassis sogar größer als bei den (größeren) Tieftönern der 122/125 und in der Tat auch länger gewickelt, sodass der lineare Auslenkungsbereich größer ist. Dadurch erklärt sich die insgesamt noch bessere (oder soll ich schreiben: Bässere?) Aussteuerbarkeit und demzufolge "lässigere" Spielweise im Bass bei hohen Pegeln.
Vinylman hat geschrieben:Ferner ließt man ja immer wieder hier im Forum, dass schmale Schallwände nachteilig sind. Aber die NuVero 14 ist schmaler als eine NW 125. Wie paßt das zusammen?
Es ist weniger die Breite, welche sich nachteilig auf den Klang auswirkt, sondern eher die Form. Eben aus diesem Grund hat ja die nuVero dieses geschwungene "Segel". Boxen mit kantigen Schallwänden lassen sich jedoch auch mit entsprechender Weichenauslegung so abstimmen, dass man die Einflüsse der Kanten zwar noch messen, aber nicht mehr heraushören kann.
Trotz des "Segels" existieren bei der nuVero 14 aber immernoch Reste von Kanteneffekten, welche auch messbar sind. Sie äußern sich bei axialer Messung als kleiner Einbruch im Frequenzgang, welcher bei seitlicher Messung (20-30°) nahezu komplett verschwinden. Der axiale Einbruch lässt sich mit Hilfe einer entsprechenden Weichenabstimmung praktisch vollständig linearisieren. Die eigentliche Frage ist nur: Was klingt besser? Diese Frage kann sich künftig jeder, der die nuVero 14 probehört oder kauft, selbst beantworten, da wir diese zwei Abstimmvarianten schaltbar gemacht haben (das ist der besagte "Mittenschalter"). Die meisten Hörer (auch ich) bevorzugen allerdings die Variante mit axialem Einbruch - interessanterweise auch bei axialer Hörposition. Der Prototyp, der momentan noch bei uns im Laborhörraum steht, ist bei den Hörvergleichen daher auch immer mit dieser Variante vorgeführt worden.
Ich hoffe, dass meine Erklärungen nicht zu technisch waren. Wenn doch, bitte melden, dann versuche ich es gerne nochmal

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Schöne Grüße,
Thomas Bien