Hallo alle miteinander,
Kingping hat einige Beiträge vorher einen m. E. recht
interessanten Link gegeben. Dort schreibt Andreas Haeger:
...Schwieriger zu beurteilen ist dagegen eine korrekte Breiten- und Tiefenstaffelung, also jene Eigenschaften, die wesentlich die räumliche Abbildung ausmachen. Hier gibt es nicht ohne weiteres sichere Anhaltspunkte für Richtigkeit der Wiedergabe. Diese wird eher umgekehrt durch geeignete Abhörbedingungen definiert, "natürlicher", "echter" oder "originaler" Raumeindruck ist kein geeignetes Beschreibungsmerkmal stereophoner Wiedergabe, da diese prinzipbedingt hierzu nicht in der Lage ist. ...
und weiter:
Was soll eine gute Abhörsituation leisten?
Ein gute Abhörsituation bietet dem Hörer bezüglich der beiden grundlegenden subjektiven Wiedergabeeigenschaften Lokalisationsschärfe und Klangfarbenneutralität denselben optimalen Eindruck wie unter Freifeldbedingungen, die z.B. in einem reflexionsarmen (= "schalltoten") Raum vorherrschen. Reflexionsarme Räume eignen sich allerdings keinesfalls zum Musikhören, da die Differenz zwischen optischer Wahrnehmung (Innenraum) und akustischer Wahrnehmung (Freifeld) nicht zusammenpassen und starkes Unbehagen bis hin zu einem sehr unangenehmen Druck auf den Ohren beim Hörer hervorrufen.
...
Da Freifeldbedingungen nicht nomaler Hörerfahrung –z.B. in Konzerten- entsprechen, kann ein Abhörraum zudem etwas Diffusschall aus dem hinteren Raumbereich zum Hörplatz gelangen lassen, um Mängel zweikanalstereophoner Wiedergabe bezüglich Ambiance und Raumeinbindung auszugleichen, die sich ansonsten nur (und besser) durch mehrkanalige Wiedergabe abstellen lassen. ...
Diese Überlegungen habe ich auch bei der Gestaltung meiner Anlage einfließen lassen. Auch ich habe den Eindruck, dass bei der reinen Stereophonie mit zwei Schallwandlern klanglich noch etwas fehlt. Und zwar der im Konzert vorhandene Raumklang. Deswegen habe ich ein Digital-Delay im Einsatz, welches im Zusammenspiel mit den rückwärtigen nuBox 310 behutsam den von mir als "originalnäher" bevorzugten Klang bewirkt. Ich kann diesen Zweig der Anlage problemlos abschalten, allerdings fehlt mir dann ein gewisses Maß an Konzertatmosphäre.
Weiterhin schreibt Andreas sinngemäß, dass in reflexionsarmen Räumen "die Differenz zwischen optischer Wahrnehmung (Innenraum) und akustischer Wahrnehmung (Freifeld) nicht zusammenpassen". Diese Erkenntnis wird m. E. oft unterschätzt. Damit baut sich ein Missverhältnis zwischen
gesehener Raumgröße und dem sich ergebenen
Klang auf! Dieser Betrachtungsweise können wir uns wohl nicht entziehen, weil die Augen sozusagen "mithören" und uns signalisieren: In diesem Raum muss es so klingen (Nachhall), weil er soundso groß ist. Wenn dann beim Hörtest ein Missverhältnis zwischen dem gesehenen und anschließend gehörten Klangeindruck auftritt, muss das wohl zu Iritationen in der Wahrnehmung führen.
Mein Hörraum ist ca. 37 m² groß und ich habe tatsächlich einen wunderbar weiten Blick. Daher mag, psychoakustisch gesehen, eine Glaubwürdigkeit bestehen zwischen der gesehenen Raumgröße und dem sich bei mir im Hörraum einstellenden Klangbild.
Was mir in diesem Zusammenhang nicht sehr gefällt, ist der Begriff "Hallsoße". Das klingt nach Bahnhoflautsprecher und miesem halligem Klang. Zur Klarstellung: Es hat noch nie jemand hier behauptet, dass ich "Hallsoßenwerfer" zu Hause stehen habe
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, aber der Gebrauch dieser Wortschöpfung verhindert m. E. ein unvoreingenommenes Herangehen an
ungewöhnliche individuelle Lösungen.
Weiterhin freut es mich natürlich, dass Gerald im Verlauf dieses Threads meine Beiträge mit meinen nicht immer konventionellen Denkansätzen freundlich und beispielhaft erwähnt hat. Danke, Gerald!
Natürlich hinterfrage ich meine Anlage gelegentlich und bitte dann eine meiner Töchter, mal zwischen den Pyramiden zu musizieren (Geige oder Querflöte, Klavier steht im Nebenraum). Dann
weiß ich, wie ein
Originalinstrument in meinem Hörraum am Standort der Schallwandler klingt. Und das ist dann für mich die Klangnorm was Lautheit, Direktheit, Klangfarbe und Raumhall angeht. Und wenn dann eine Violinaufnahme auf CD, in gleicher Lautstärke angehört, ziemlich ähnlich klingt, bin ich zufrieden. Gleich klingen kann sie nicht, da es sich um ein anderes Instrument handelt, der Aufnahmeraum ein anderer war usw.
Und wenn ich die Faxen dicke habe (war zeitweise in diesem Thread so), dann höre ich meinen Kindern beim Musizieren zu. Denn dann ertönt (ein) Original mit normativer Klangreinheit abseits aller technischen Diskussion.
Nix mit Bäffelstäp und so. Original halt. Normativ. Entzieht sich jeder Klangdiskussion. Einfach wohltuend.
Gruß
OL-DIE
PS: ... und trotzdem schalte ich hinterher gern meine Anlage wieder ein
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