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Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Di 28. Aug 2012, 20:38
von StefanB
Der wahre High-Ender möchte keine zufriedenstellende Situation erreicht haben. Er suhlt sich viel lieber in seinem Sumpf aus immerwährender Suboptimalität und Hoffnung auf Besserung der Situation. Irgendwann mal. Bloss nicht hier und jetzt. Er will da garnicht raus aus dem Dreck.
DAS ist der Knackpunkt : Hier und jetzt mit der Gesamtsituation zufrieden zu sein. Das hieße ja :
Nur noch Musik hören.
Merde. C´est impossible.
Nie mehr Verstärker-Tausch, Kabel-Tausch, CD-Player-Tausch usw. Es würde sich einem das wahre Wesen dessen offenbaren, was man als Hobby betreibt : Gerätetauscher, der mit Test-CD´s ( nicht mit Musik-CD´s ! ) allem zuleibe rückt, was er in die Finger bekommt.
Dieser Moment der Erkenntnis ist nicht der angenehmste für den Hobbyisten. Geht er doch meist recht lange davon aus, einer der letzten Gralsritter der Musik-Kultur zu sein, nein, der Kultur an sich. Ein Erhabener unter den MP3-Iphone-Musikkonsumenten.
Die Erkenntnis, dass die Heftchen in ihm einst bloß EINMAL den Nerv der Konsumgeilheit reizen mußten und dieser einmalige Reiz 10, 20, 30 oder noch mehr Jahre wesentlich sein Verhalten zum Thema Musik und deren Reproduktion bestimmt haben, ohne das es ihm bewußt war. Ferngesteuertes Verhalten, nicht autonomes. Autsch !
Stefan
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Di 28. Aug 2012, 20:58
von Musixlover
Guter Beitrag von Stefan - genauso wie auch der von horch.
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Di 28. Aug 2012, 22:36
von HHO
Musixlover hat geschrieben:Guter Beitrag von Stefan - genauso wie auch der von horch.
Du sagst es!
Als ich mit dem Beitrag von horch! durch war dachte ich mir - Recht hat er.
Auf der nächsten Seite dann den Stefan gelesen und auch da hab ich zu mir gesagt - Stimmt!
Kann es sein, daß beide Recht haben?
Oder bin nur ich nicht in der Lage einen "Gewinner" auszumachen?
Ich weiß es nicht.
Ich glaube aber beide Standpunkte zu verstehen.
Denke, daß beide Forumskollegen eine Menge Zeit in das Thema Musik investiert haben.
Und beide haben sich, bedingt durch unterscheidliche Einflüsse in andere Richtungen entwickelt.
Ich erkenne daran auch nichts Falsches.
Ich sehe, daß es eine Menge unterschiedlicher Wege gibt.
Und das werte ich positiv.
Vielleicht spielen ja doch beide in der selben Mannschaft.
Sie wissen es nur noch nicht.
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Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 07:19
von horch!
baerndorfer hat geschrieben:
Vielleicht spielen ja doch beide in der selben Mannschaft.
Sie wissen es nur noch nicht.
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Ich sehe mich mit Stefan in einigen Punkten durchaus auf gleicher oder ähnlicher Wellenlänge: Skepsis gegen High-End und Voodoo, Skepsis gegen die "Heftchen", kritische Einstellung gegenüber Konsumverhalten, etc. Ich musste mich z.B. zum Kauf der nuVeros heftig überwinden, denn das ist in gewisser Weise schon ein Abrutschen in ein "Konsumverhalten", das ich (selbst)kritisch sehe; soweit ich mich erinnere, habe ich noch niemals so viel Geld auf einen Schlag ausgegeben!
Wo ich mit Stefan absolut nicht auf eine Line bin, ist seine Einstellung zum Hören - zumindest wie diese mir rüberzukommen scheint. Das bezieht sich jetzt nicht nur auf die Beiträge hier, sondern auch auf einige seiner früheren Anmerkungen... da ging es um 'das Ohr schulen an Referenzen', um objektives Hören, um "Popofaktor" etc. Das läuft alles darauf hinaus, das es Objektivität beim Hören gibt und daher "richtiges" und "falsches" Hören. Und das halte ich für Grundfalsch - u.a. jeglichen wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Hörvorgang wiedersprechend.
Dieses "Nur noch Musik hören" aus dem letzten Beitrag - das bedeutet doch für jeden etwas anderes. Ich kenne z.B. Leute, die lieben die Callas, und zwar vorwiegend aus einem Noxon-Brüllwürfel in der Küche. Ich kann mit der Callas nichts anfangen, schon alleine weil es keine nach heutigem Maßstab technisch guten Aufnahmen gibt (zumindest, die die ich gehört habe, waren nicht so toll). Wer hört jetzt "richtiger"? Wer hört besser? Diejenigen, die die Qualitäten der Callas und die Musik auch noch bei einem Brüllwürfel hören und zu schätzen wissen? Oder ich, der ich die Unterschiede im Klang wahrnehme? Ich denke, es spricht nichts dafür, dass ich mich irgendwie überlegen fühle, weil ich ein "feineres Ohr" für "Klang" habe - denn ich habe ganz offensichtlich ein weniger feines Ohr für andere Qualitäten.
Ich persönlich bin also zum einem gewissen Anteil "Klanghörer", andere sind das mehr, wieder andere weniger, ganz andere gar nicht. Es liegt wohl in der Natur der Sache, dass sich in einem Forum wie diesem Leute versammeln, die zumindest anteilsmässig "Klanghörer" sind. "Reines Musikhören" ist vermutlich etwas anderes - aber das ohne Wertung. Und auch beim "reinen Musikhören" könnte man wieder diskutieren: hören diejenigen "besser" die ein entsprechendes Hintergrundwissen haben - Adorno lässt grüssen? Oder diejenigen, die frei davon sind? Neurowissenschaftlich lässt sich das wohl recht gut unterscheiden: bei Musikern wird beim Musikhören die eine Gehirnhälfte mehr aktiv, bei Nicht-Musikern die andere; bei den Musikern mehr die analytische Hälfte, bei den anderen eher die holistische - letzteres übrigens kein Wort aus der Esoterik, das wird von Neurowissenschaftlern so verwendet. Das heisst ganz klar: Nicht-Musiker können niemals so Musik hören wie Profis. Aber eben auch umgekehrt: Musiker können niemals so Musik hören wie die von Fachkenntnissen unbelasteten Laien.
Insofern: "Nur noch Musik hören" ist für mich etwas anderes als für Stefan. Stefan kann niemals so "nur noch Musik hören" wie ich - und umgekehrt. Und von den Callas-Brüllwürfel-Hörern könnten wir uns beide eine Scheibe abschneiden.
"Meine" Callas ist übrigens Agnes Baltsa
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Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 11:05
von StefanB
Ich will nichts gewinnen, ich will eine für viele verfahrene Situation erklären und wie man sie verändert. Warum ? Die Situation ist kontraproduktiv und nicht zielführend.
Wer 40 Jahre lang LS, AMP etc. tausch, rezipiert Musik nicht so, wie sie gedacht und wozu sie gemacht ist, im Gegenteil : er pervertiert sie geradezu, indem er Künstler zu Statisten degradiert und ihre Musik bei ihm über den Status des Testsignals kaum hinauskommt. Das ist ein Ergötzen an der Qualität der Reproduktion, ist NICHT Musik hören.
Es gibt objektiv gut/richtig reproduzierende LS. Man findet sie zuhauf bei den Profis. An denen kann man sein Gehör schulen. Wenn ich Kugelstoßer werden will, muss ich auch mit dem 5Kg Eisenrund üben und darf nicht mit Papierfligern werfen.
Wie der einzelne eine MEG oder K&H wahrnimmt, kann ich nicht sagen. Wie eine elektroakustisch hochwertige Reproduktion aussieht, kann man sagen. Deswegen ähnelt sich der "Klang" in Studios. Es geht nicht um : "Wer hört besser", es geht um "Wie sieht eine hochwertige Abhörsituation aus", " Wie gewinne ich für mich Selbstsicherheit/Souveränität darüber, wie sich so eine hochwertige Situation anhört/anzuhören hat ". Weil daraus Zufriedenheit entsteht. Kreislauf unterbrochen. Genau DAS will mancher aber nicht...
Mit der Callas was anfangen können oder nicht : Das ist Musikgeschmack. Völlig andere Baustelle. Und weil jemand genießender Klassik/Jazz-Rezipient ist, ist er kein besserer Mensch. Das gleiche gilt für Rock/Elektro etc. Vielleicht interessant/interessanter als mancher, ein angenehmer Mitmensch, weil weitläufig interessiert, nicht selten gebildet. Aber besser ? Attribute, die einen besseren Menschen ausmachen sollten, hatten wir schon mal definiert, wozu das geführt hat....Und ich kenne einige Klassik-Fans, da sind menschlich ziemlich arrogante A...löcher...ebenso kenne ich da Rocker/Punks, für die gilt das gleiche. Also bitte keine Schwarz-Weiß-Malerei á la Bild.Zeitung. Das Leben hat viel Schattierungen.
Stefan
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 11:14
von Toni78
Vielleicht könnte man sich aber auch eingestehen, das das eigene Hobby weniger die Musik als vielmehr deren Reproduktion sein könnte.
Menschen bei denen es so ist, die werden nie ganz ankommen, die werden jede noch so winzige Chance auf Verbesserung ausloten wollen. Vielleicht auch weil sie es wollen.
Ist nichts verwerfliches dran.
ps. Ich finde Stefans (vielleicht manchmal etwas penetrant erscheinende) Bemühung, Objektivität in dieses doch sehr von subjektiven Eindrücken geprägte Hobby zu bringen, wirklich toll. Es ist in vielen Diskussionen hier das Salz in der Suppe welches oftmals auch zur Reflektion der eigenen Denkweisen führt. Danke Dir dafür. Das musste an dieser Stelle jetzt auch einfach mal gesagt werden.
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 11:24
von StefanB
Es gibt Süchte, die sind suchtmittelfrei. Die oben näher beschriebene pathologische Unzufriedenheit von High-Endern ist so eine.
Kann sein, dass man das will. Kann auch sein, dass man nicht anders kann. Weil man den Ausgang nicht kennt und niemand einem den Ausgang zeigt.
Stefan
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 12:23
von Legomann II
Toni78 hat geschrieben:...das das eigene Hobby weniger die Musik als vielmehr deren Reproduktion sein könnte.
Nicht die Wahl des Steckenpferdes ist das Problem (für mich), sondern die anscheinende regelmäßig damit automatische einhergehende Primiz zum "Priester des wahren Hifi", selbstverständlich mit dem Lehrauftrag, alle noch Ungläubigen auf den rechten Weg bringen zu müssen. Dies selbstredend mit einer Arroganz des bereits "Wissenden".
Zumal es Stephan eben nicht um objektives Hören geht - wie von Audi behauptet. Sondern um richtige Reproduktion (Hifi per definitionem eben).
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 15:14
von raw
StefanB hat geschrieben:Der wahre High-Ender möchte keine zufriedenstellende Situation erreicht haben. Er suhlt sich viel lieber in seinem Sumpf aus immerwährender Suboptimalität und Hoffnung auf Besserung der Situation. Irgendwann mal. Bloss nicht hier und jetzt. Er will da garnicht raus aus dem Dreck.
Wie viele Leute hier im Forum passen denn in diese High-End-Schublade? Wer muss hier "aufgeklärt" werden? Hier wird, wenn überhaupt, nur über entfernte Gespenster geredet. Solche Themen finde ich hier im Forum genauso inzestuös wie einschlägige Buchbesprechungen von Max Frischs "Homo Faber" in HaiEnt-Foren.
Ich möchte mal wenigstens einen Beitrag von dir lesen, in dem du nicht über jemanden oder etwas negativ schreibst, sondern mal wirklich nur Wissen weitergibst.
Wer sagt denn, dass man beim "Schulen" nicht ebenso in einen Teufelskreis kommen oder fehlgeleitet werden kann? Ein "Schüler" hat letztendlich auch nur an die Richtigkeit der angeblichen Referenz zu glauben. Im PA- und Studio-Bereich gibt es ebenso blödsinnige Mythen. Diese haben genauso ihre vermeintliche technische Begründung wie die HaiEnt-Mythen. Da wird auch den Herstellern geglaubt und es gibt ebenso einige "Propheten".
Und wieso alles unter dem Vorwand der Zufriedenheit? "Das Gehör zu schulen, um leichter/schneller zufrieden sein zu können" - das ist doch genauso wie der Kabeltausch einfach nur eine Anleitung, um das "HiFi-Glück" zu suchen. Aber ich sag immer: Solang man das Glück sucht, hat man es noch nicht gefunden. Deswegen einfach finden anstatt suchen. Wenn man so will: einfach Musik hören anstatt "schulen" oder "Kabel tauschen".
Ein altbekannter Vorwurf von "HaiEntern" ist z.B. der, dass ein Techniker nicht "genussfähig" sei. Im Grunde schreibst du also dasselbe über die HaiEnter wie die HaiEnter über die Techniker.
Re: Voodoo Ergebnisse
Verfasst: Mi 29. Aug 2012, 18:20
von horch!
raw hat geschrieben:
Wie viele Leute hier im Forum passen denn in diese High-End-Schublade? Wer muss hier "aufgeklärt" werden? Hier wird, wenn überhaupt, nur über entfernte Gespenster geredet. Solche Themen finde ich hier im Forum genauso inzestuös wie einschlägige Buchbesprechungen von Max Frischs "Homo Faber" in HaiEnt-Foren.
Ich möchte mal wenigstens einen Beitrag von dir lesen, in dem du nicht über jemanden oder etwas negativ schreibst, sondern mal wirklich nur Wissen weitergibst.
Völlig richtig, so richtig, das ich es wiederholen will:
Wie viele Leute hier im Forum passen denn in diese High-End-Schublade?
Nach meinem Eindruck völlig falsche Baustelle. Hier wettert ein fanatischer Atheist in einem Agnostiker-Forum über fanatische Glaubenskrieger! Und bringt immer wieder die selben Argumente, gegen diejenigen vor, die das im Prinzip genauso sehen - nur eben nicht so kompromisslos radikal.
raw hat geschrieben:
Und wieso alles unter dem Vorwand der Zufriedenheit? "Das Gehör zu schulen, um leichter/schneller zufrieden sein zu können" - das ist doch genauso wie der Kabeltausch einfach nur eine Anleitung, um das "HiFi-Glück" zu suchen. Aber ich sag immer: Solang man das Glück sucht, hat man es noch nicht gefunden. Deswegen einfach finden anstatt suchen. Wenn man so will: einfach Musik hören anstatt "schulen" oder "Kabel tauschen".
Genauso könnte man aber auch sagen: Der Weg ist das Ziel. Ich denke "Schulen" und "Kabel tauschen" kann durchaus Zufriedenheit bringen; ich vermute, Glück und Zufriedenheit sind niemals statisch von Dauer. Es ist bekannt, dass Lottogewinner nach einiger Zeit wieder auf ihrem Glücksniveau von vorher landen. Vermutlich muss man immer irgendeinen "Weg" gehen, um Zufriedenheit immer wieder neu zu erzeugen - einer schult sein Gehör, der andere sein Wissen, der dritte tauscht Kabel, der nächste braucht immer wieder neue CDs.
Und wenn dann einer, das was der andere macht, nicht als "Musik hören" bezeichnen würde - na und? Dann ist das Hobby eben Klanghören oder Kabelhören oder Wiedergabesituationhören oder Vergleichshören... wenn ich irgendwo jemanden kunstvolle Papierflieger werfen sehe, dann gehe ich eben
nicht davon aus, dass der eigentlich Kugelstossen will!
Und eines frage ich mich bei jedem Beitrag des StefanB: Klingt so Zufriedenheit?