@All,
nun also mein persönliches Fazit zum nuControl, bevor die neue „Stereoplay“ erscheint, und somit der Verdacht einer Beeinflussung entsteht. Dass das hier geschriebene nur meinen subjektiven Eindruck wiederspiegelt, wurde ja schon ausführlich diskutiert und versteht sich von selbst.
Wie immer wieder an verschiedenen Stellen erwähnt schieße ich mich ausdrücklich der Empfehlung an, immer selbst zu hören und dann selbst für sich zu bewerten. Dann darf man auch so mutig zu sein, dem eigenen Urteil zu vertrauen. Nubert ist hierfür, sicher ein Stück weit notgedrungen durch das Direkt- Vertriebskonzept, absolut vorbildlich unterwegs und gewährt eine verlängerte Rückgabeoption.
Da manche diesen Thread wahrscheinlich nicht von Anfang an lesen –ich empfehle natürlich von Anfang an zu lesen, ist bestimmt kurzweilig (versprochen!) und entbehrt stellenweise nicht eines gewissen Unterhaltungswertes- hier noch mal kurz meine Vorgehensweise:
Verglichen habe ich den nuControl mit einem Restek Vector (Update bei Restek in 2007), bzw. im Fall digitaler Zuspieler mit der Kombination „Rivals DAC1“ + Restek Vector. Der Dac1 verfügt über zwei Cinchausgänge, hinter einem sitzt –Angabe unter Vorbehalt- eine 6N11 Röhre, hinter dem anderen ein OP275 (Operationsverstärker). Obwohl die klanglichen Unterschiede für mich minimal sind, in einem Blindvergleich wohl nicht zu unterscheiden, habe ich hier immer nur den Transistorausgang genutzt. Erschien mir für diesen Vergleich einfach passender.
Der Vergleich lief nicht Blind ab, d.h. ich wusste immer, welche Komponente spielt. Ja, das ist alles andere als Ideal, aber es ging nicht anders bzw. der Aufwand wäre mir zu hoch gewesen. Jeder der schon einmal einen Blindtest durchgeführt hat (oder wollte), kennt das, denke ich. Beim Gerätewechsel musste ich jeweils „umstöpseln“.
Der Pegel wurde mit Hilfe der CD „Audio Super- Hörkurs Teil 2“ durchgeführt und zwar mit „Rosa Rauschen, Links gleich Rechts“. Da ich im Moment kein hochwertiges Messmikrofon zur Verfügung habe, musste die App „MetalMed dB“ auf dem iPhone herhalten. Da es hier nicht um Absolutpegel oder kritische Frequenzbereiche geht, welche ein hochwertiges Equipment zwingend erfordern, sollte das so „durchgehen“.
Der bei weitem größte Teil meiner Einschätzung beruht auf digital via Toslink zugespieltem Material von einem Teufel Connector 2, entweder Spotify mit 320 kbps oder –wichtiger und häufiger - aus meiner gerippten CD- Sammlung als „flac“ (gerippt mit „Exact Audio Copy“, angeblich „bitperfect“). Ich habe kein „High- Res“- Material, somit kann ich hierzu nichts berichten.
Wer hier vielleicht den Connector 2 als „nicht hochwertig genug“ ansieht -Teufel selbst bezeichnet ihn als „Einsteigergerät“- sei noch einmal auf die rein digitale Zuspielung verwiesen. Ich habe den Analogausgang nicht genutzt.
Ich vermute, in sehr vielen Fällen wird der nuControl „nur“ digitale Zuspieler sehen (vier Analogeingänge incl. XLR dürfen als echter Luxus gelten) – dazu passen meine Aussagen also ganz gut. Dennoch, da für mich wichtig, habe ich auch Analog von Schallplatte zugespielt. Die Geräte hierzu können bei Interesse meiner Signatur entnommen werden. Bei analoger Zuspielung ist der nuControl im Nachteil, er muss ja zuerst digitalisieren. Aber wie geschrieben, Priorität hatte die digitale Quelle.
Während –vielleicht- 75% des Vergleiches waren sämtliche Equalizer des nuControl in neutraler Position, die Ausnahme beschreibe ich gleich. Zeitlich reden wir hier im von zwei Wochenenden, die Tage dazwischen musste sich die nuContol mehr um TV/Film- Ton kümmern.
Erwähnt werden kann noch, dass der nuControl die signifikant besseren Messwerte liefert, gemäß beider Hersteller stehen sich hier z.B. 105 dBA (Vector) Fremdspannungsabstand 117 dBA analog / 119 ! dBA digital (nuControl) gegenüber. Das sind natürlich Herstellerangaben, aber aufgrund der Reputation beider Hersteller hege ich hier keinen Zweifel. Zu bedenken ist aber, dass auch 105 dBA Fremdspannungsabstand einen Top- Wert darstellen, knapp 120 sind sprichwörtlich „jenseits von Gut und Böse“.
Jetzt sind, glaube ich, die Randbedingungen ausreichend beschrieben, also zum eigentlichen Vergleich.
Ich beginne „von hinten“, bei den Equalizer- Funktionen des nuControl.
Wohnräume sind in erster Linie Räume zu Wohnen. In zweiter Linie dann Räume zum Musikhören und somit geht der Zielkonflikt hier in den allermeisten Fällen dann doch zu Gunsten des Wohnraumes aus. Wäre auch verdammt unpraktisch, auf einem Gitternetzt zum (natürlich einzigen) Hörplatz zu balancieren, nur um dann unter „schalltoten“ Bedingungen den reinen Direktschall seiner Lautsprecher zu genießen, ständig aufpassen zu müssen, das nicht runterfällt… gut, gut, man kann hier natürlich auch weniger radikal vorgehen…
Dennoch, die Möglichkeit auch die Anlage auf den Raum abzustimmen, und nicht nur umgekehrt, hat natürlich etwas verdammt praxisnahes. Ist halt über die Jahrzehnte bisher immer mehr oder weniger an der Qualität und/oder dem Preis der hierfür notwendigen Geräte, sprich Equalizer, gescheitert. Bisher, denn jetzt gibt es ja den nuControl. Die Hifi- Welt kannte auch vor dem nuControl solche Geräte, teils mit noch größerem Funktionsumfang (Lyngdorf, Trinnov, Accuphase, miniDSP, etc.). Einige können neben dem Frequenzbereich auch den Zeitbereich beeinflussen, sprich die Gruppenlaufzeit / Impulsantwort des angeschlossenen Lautsprechers optimieren. Preis / Leistung sticht aber beim nuControl heraus.
Für den aufgerufenen Preis leistet die nuControl wirklich verdammt viel. Z.B. kann ich mich der Aussage des „lowbeats“- Tests bezüglich der Equalizer- Funktion nur anschließen und sagen, dass es auch für meine Ohren für den „Klangcharakter“ der nuControl keine Rolle spielt, ob Filter aktiviert werden oder nicht. Es ändert sich einfach „nur“ das gewünschte Band entsprechend den vorgenommenen Einstellungen. Das würde man wohl als das „ideale Verhalten“ eines Equalizers bezeichnen und genauso verhält sich der nuControl auch.
Mein Lautsprecher liegt –ganz grob- bei ca. 35Hz / -3db. Ganz genau kann ich das nicht sagen, wie allen bekannt sein wird, ist eine vernünftige Messung hier nicht ganz so einfach (und ohne hochwertiges Messmikro faktisch unmöglich). Jedenfalls fehlt die unterste Oktave des Frequenzspektrums natürlicher Instrumente. Ich habe also, ohne messen zu können, mit dem Bass- EQ „ganz unten“ angehoben. Wahrscheinlich zu viel, nach Gehör übertreibt man hier eher als zu wenig anzuheben. Das Ergebnis ist für jeden sofort hörbar, und da lege ich mich ausnahmsweise fest: Auch in jedem Blindtest. Natürlich vorausgesetzt, die Musik enthält überhaut die unterste Octave! In solchen Fällen muss dann „Dallas Wind Symphony - Pomp & Pipes!“ (RR, HDCD) ran, ich glaube die einzige Aufnahme die ich besitze mit Orgel- Musik. Keine leichte Kost, da muss man dran bleiben wollen. Hab ich im Sinne meiner persönlichen Entscheidungsfindung getan, und bei „The Vikings“ schiebt mein Lautsprecher plötzlich Tieftonenergie in den Raum, wie ich es noch nicht gehört hatte, beeindruckend.
Manchmal liest man, eine solche Erweiterung nach unten würde den Klang auch im technisch nicht veränderten Frequenzbereich nach oben, bis hinauf in die „oberen Mitten“ beeinflussen. So etwas kann ich nicht berichten, „obenrum“ ist da für meine Begriffe nichts passiert (Raum, Differenzierung, was auch immer). Insgesamt nimmt die „Autorität“ bei dieser Musikauswahl durch den deutlicher spürbaren Tiefbass naturgemäß zu. Ich vermute mal, Besitzer von Nubert- Lautsprecher wissen, was ich meine. Insbesondere Besitzer der großen Modelle, die ultratief und laut gleichzeitig können.
Ich habe auch mit den anderen Bändern experimentiert, das brachte aber nichts für den Text hier verwertbares, außer: Um alle 8 Bänder sinnvoll und „gewinnbringend“ einsetzen zu können wird man um den Einsatz von Messtechnik kaum herumkommen. Klar, es gibt bequeme nutzbare Online- Rechner zur theoretischen Ermittlung der Raummoden, aber in welcher modernen Wohnung gibt es noch rechteckige Grundrisse, in den dann die Lautsprecher und Sitzposition auch noch symmetrisch zur Raumachse aufgebaut werden können ? Und was ist mit der Möblierung und dem Absorptionsgrad der Oberflächen? Der nuControl verdient sicher eine genaue Bestimmung mittels Messung.
Die Balance- Verstellung mit Laufzeitkorrektur ist eine tolle Sache. Man könnte hier auch eine Einstellung speichern (4 Speicherplätze stehen zur Verfügung), bei der z.B. ein einzelner Hörer, der zwecks Aufstellung von Sesseln nicht in der Mitte sitzt, optimal beschallt wird wenn er alleine hört. Einzige Grenze ist hierbei, dass strenggenommen die Lautsprecher ausgerichtet werden müssten, um die außermittig sitzende Person mit dem gleichen Frequenzgang von links und rechts zu beschallen (Rundstrahlverhalten). Dennoch um Welten besser als jede klassische Balance- Verstellung rein über eine Pegel- Verschiebung.
Aber was ist denn jetzt mit meiner Klangeinschätzung?
Die Beschreibung der Equalizer- Funktionen deutet es aber bereits an, dass das, was ich eigentlich als „Klang“ oder „Klangcharakter“ einer Komponente sehe, durch den Einsatz des Equalizers nicht beeinflusst werden kann. Ich kann hiermit sehr wohl und eindeutig nachvollziehbar Probleme der Raumakustik angehen, einen Lautsprecher zu einer etwas tieferen unteren Grenzfrequenz „überreden“ oder die Gesamtbalance Höhen / Tiefen meinem Geschmack oder dem Absorptionsgrad der eingrenzenden Flächen anpassen. Aber der Klangcharakter bleibt. Und um es noch mal ganz explizit zu schreiben: Das ist eine Qualität, kein Mangel, und es spricht dafür wie gut die digitale Signalverarbeitung hier funktioniert.
...und jetzt endlich der Klang...
Nun –ich bleibe jetzt mal bei der etwas konformeren Erklärung- ich habe mich in den knapp zwei Wochen tatsächlich ein ganz klein wenig auf den nuControl „eingehört“, die Eindrücke aus meiner allerersten Einschätzung bleiben aber im Kern unverändert. Der Abstand ist jetzt noch geringer, es ist wirklich knapp. Es bleibt aber etwas sehr schwer beschreibbares, sobald der Vector spielt. Ich versuch es mal ganz anders zu formulieren, vielleicht können das einige nachvollziehen:
Mit dem Vector in der Anlage möchte ich nicht aufhören, Musik zu hören, fast egal, was läuft. Hohe Lautstärken „erträgt“ man nicht, sondern es ist einfach nur ein Genuss (das soll nicht bedeuten, das hohe Lautstärken notwendig wären).
Und jetzt bitte die Maßstäbe behalten, ich rede hier nicht von „Welten“, sondern von einem kleinen, aber für mich entscheidenden „Bisschen weniger“: Mit der nuControl geht da ein ganz klein wenig verloren. Ganz schwer zu formulieren: Stimmen erscheinen manchmal minimal „kratziger“, Becken eine Nuance „schärfer“. Der Bass macht einfach „ein kleines Bisschen weniger“ an, selbst wenn er nach objektiven Maßstäben tiefer hinab reicht (also mit Bass EQ). Ein Beispiel hierfür wäre der „Klassiker schlechthin“, das Intro von „Also sprach Zarathustra“ und hier natürlich insbesondere die Pauke (meine klangliche Referenz ist hier die Telarc CD – Andre Previn mit den Wiener Philharmonikern).
Das mag jetzt wieder den einen oder anderen belustigen, dann halte ich dagegen: Suggestivhören hin oder her, wir hören alle mehr oder weniger dasselbe. Wir bewerten das Gehörte nur ganz unterschiedlich! Was für den einen ein „riesen“ Unterschied ist, hört der andere zwar genauso, für ihn sind es aber „lächerliche“ Nuancen. Und, je nach Charakter, „darf“ das dann natürlich auch kein anderer anders bewerten…
Die Argumentation des „Suggestivhörens“ ist nur logisch, wenn beide Richtungen zulässig sind. Wenn gilt „ich höre, was ich hören will“, dann muss genauso gelten “ich höre nicht, was ich nicht hören will“.
Übrigens bin ich sehr wohl der Meinung, dass es Suggestivhören gibt –selbstverständlich, der Mensch ist keine Maschine. Aber bitte, wir reden hier nicht von Humbug wie Aufklebern auf Steckdosen, Kristallstäbchen, oder Raumanimatoren, wir reden hier von verschiedenen Verstärkern mit ganz unterschiedlichen Konzepten!
Mein persönliches, abschließendes Fazit:
Der nuControl hat einen Wahnsinns Start hingelegt. Auf „meiner“ Zielgeraden ist ihm zum Schluss die Luft ausgegangen, um Haaresbreite ging er als zweiter über die Ziellinie. Er geht also zurück nach Schwäbisch Gmünd. Für viele, die etwas andere Prioritäten habe als ich, wird der nuControl genau das richtige Produkt sein. Für mich hab ich gelernt, dass ich zum Musikhören keinen (noch) tieferen Bass, sprich Subwoofer, brauche. Filme sind eine andere Welt, darauf bin ich ja weiter oben im Thread schon eingegangen. Und zweitens, das entweder der Vector bleibt, oder ich (derzeit noch) was rein analoges suchen muss….
Der Thread ist offen, andere Meinungen, bitte!
Gruß
Nicolas