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Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: So 16. Okt 2011, 13:09
von Blap
Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 6 (Folge 76-90)


Folge 81 - Kein Garten Eden (Deutschland 1981)

Ingo Rolfs (Markus Boysen) taucht im Büro von Derrick, Klein und deren Sklaven auf. Der junge Mann berichtet von schriftlichen Morddrohungen gegen seinen Stiefvater Rudolf Voss (Thomas Holtzmann). Ingo will nichts mit diesen Briefen nichts zu haben, allerdings nehme der Gatte seiner Mutter die Drohungen nicht ernst. Weil sein Verhältnis zu Rudolf Voss sehr angespannt ist, will der Stiefsohn bereits im Vorfeld einer eventuellen Straftat jede Schuld von sich weisen. Als Harry die Wohnung von Voss betritt, findet er dort dessen Leiche vor. Sofort fällt der Verdacht auf Ingo Rolfs, seine Mutter Nadine (Ellen Schwiers) hält ihren Sohn jedoch für unschuldig, zu einer derartigen Tat unfähig. Ulrich Reber (Michael Degen) und seine hübsche Gattin Ute (Rita Russek) wohnen über Voss, im Gemäuer knisterte es gewaltig. Die Kriminalbeamten tauchen in ein verzwicktes Beziehungskonstrukt ein, in das offenbar alle Bewohner des Hauses verstrickt sind...

Markus Boysen spielt den eifersüchtigen, milchbärtigen Sohnemann sehr gut, pendelt gekonnt zwischen Nervosität, Unsicherheit und Wut umher. Ellen Schwiers bleibt zurückhaltend, hat ihre stärksten Szenen während der Rückblenden, in denen sie mit Thomas Holtzmann agiert. Holtzmann zeigt uns ein tragisches Opfer, getrieben von der Sehnsucht nach Liebe und Zärtlichkeit, dabei zunächst durchaus um ein gutes Verhältnis zu seinem Stiefsohn bemüht. Rita Russek werden viele Zuschauer aus der ZDF-Reihe "Wilsberg" kennen, die 1952 geborere Schauspielerin ist noch immer eine attraktive Frau. In den frühen achtziger Jahren war dies nicht anders, doch mir gefällt nicht nur die anziehende Optik der Russek, auch ihre Darbietung der "kokett-naiv-verdorbenen" Ute Reber ist großartig. Derricks Dauersklave Berger (Willy Schäfer) ist wieder für ein paar kleine Schmunzler gut. Er wird von seinem Chef "Tippse" genannt, verhält sich erstaunlich unterwürfig und grenzdebil.

"Kein Garten Eden" präsentiert uns eine Gruppe Menschlein, die allesamt auf der Suche nach Nähe, Zuneigung und Anerkennung sind. Letztlich kommt keiner zum Zuge, bleiben allen Charakteren bestenfalls kurze Momente des Glücks. Derrick veranlasst diese Tatsache zu philosophischen Ausführungen, die er uns in den letzten Sekunden der Folge in die Ohren massiert. Besonders wird dieser Beitrag zur Reihe durch den teils grotesk anmutenden Umgang der zentralen Charakte miteinander, einer seltsamen Mischung aus Gedankenlosigkeiten und Begierden, der stetigen Überbewertung der eigenen Bedürfnisse, bei gleichzeitiger (bewusster und/oder unbewusster) Herabwürdigung der anderen Beteiligten. Diverse Schludrigkeiten (Schatten des Mikrofons, kleine Anschlussfehler) muten ebenfalls ungewöhnlich an, da die Reihe ansonsten durch solides Handwerk geprägt wird. Zur musikalischen Untermalung dient Trompetenterror, nebenbei kommen Pink Floyd mit Auszügen aus ihrem grandiosen Album "Wish You Were Here" zum Zuge. Günter Gräwert inszenierte einen kantigen und erfrischenden Beitrag. Kein Höhepunkt, dennoch sehr sehenswert.

7/10 (gut)

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: So 16. Okt 2011, 18:04
von hank_chinaski
Unknown Identity
Solide aufgebauter Thriller mit guter Action und - natürlich für Berliner schön zu sehen - rasante Jagten/Szenen durch und in Berlin.

Bunraku
Matial Arts in Sparta/Sin City-Manier mit solider Besetzung.
Bildästetik: Top
Musik/Klang/Ton: Top
Story: banal
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Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: So 16. Okt 2011, 22:26
von Blap
Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 6 (Folge 76-90)


Folge 82 - Eine ganz alte Geschichte (Deutschland 1981)

Arne Reuter (Mathieu Carrière) berichtet Derrick und Klein von einem Mord. Bei dem Opfer soll es sich um Reuters Onkel handeln, den vermeintlichen Täter kann der junge Mann ebenfalls nennen. Allerdings fand die Tat bereits 1946 statt, als die damalige Zonengrenze häufig illegal überschritten wurde. Laut Arne Reuter hat ein gewisser Alfred Answald (Herbert Fleischmann) den Mord verübt, um auf diese Weise in den Besitz wertvoller Edelsteine zu gelangen, die das Opfer über die Grenze schmuggeln wollte. Answald lebt mit seiner Frau Andrea (Elisabeth Wiedemann) und den beiden gemeinsamen Kindern Almuth (Verena Peter) und Erwin (Sascha Hehn) in München, die Familie führt ein glückliches Dasein und ist offenbar wohlhabend. Reuter hat ein altes Vernehmungsprotokoll an sich gebracht, tatsächlich wurde Alfred Answald damals zu dem besagten Mordfall vernommen. Jedoch wird Answald durch dieses Protokoll nicht belastet, zunächst ergeben sich keine ernsthaften Verdachtsmomente. Da Arne Reuter sehr fanatisch und gleichzeitig mit kalter Berechnung vorgeht, weist Derrick den selbsternannten Ermittler mehrfach in die Schranken. Nach und nach rückt Reuter mit weiteren Informationen raus, während der bedrängte Answald zunehmend in Panik gerät...

Mathieu Carrière ist wie geschaffen für die Rolle des "gnadenlosen Rächers", der ohne Rücksicht auf Verluste seiner Version von Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen will. Der völlige Verzicht auf übliche Gewaltandrohungen lässt den Charakter Arne Reuter keinesfalls schwächer wirken, sein scharfer (aber auch blindwütiger) Verstand erweist sich als weitaus gefährlichere Waffe. Sein Gegenspieler wird von Herbert Fleischmann nicht minder grandios gespielt, der Verfall des erfolgreichen Geschäftsmannes und glücklichen Familenvaters gelingt Fleischmann absolut fantastisch. Elisabeth Wiedemann darf erneut unterstreichen, dass sie mehr kann als "Else Tetzlaff" (obwohl ich sie in Folge 58 (Tandem) sogar noch beeindruckender fand). Ihrem Gatten den Vornamen Alfred zu verpassen, werte ich als gelungenes Witzchen des Autors. Verena Peter und Sascha Hehn runden das sterbende Familienidyll ab, bleiben aber stets in der zweiten Reihe, sie präsentieren sich als solide Nebendarsteller. Berger ist diesmal sogar zu eigenen Gedankengängen fähig, erweist sich als brauchbarer Handlager seiner Meister Derrick und Klein.

"Eine ganz alte Geschichte" punktet massiv durch das sehr starke Ensemble, ich verneige mich vor Mathieu Carrière und Herbert Fleischmann. Eine glückliche Familie wird innnerhalb weniger Tage zerstört, niemand kann Arne Reuter stoppen. Ab einem bestimmten Zeitpunkt kann Derrick die Täterschaft des beschuldigten Answald nicht ausschliessen, muss aus unterschiedlichen Gründen am Ball bleiben. Tappert darf Carrière mehrfach harsche Ansagen machen, das Finale hält dem Zuschauer einen "riesigen Mahnzeigefinger" vor die Nase, stürzt aber dennoch (und erstaunlicherweise) nicht in moralinsaure Gefilde ab. Zbynek Brynych legt eine starke Folge vor, lässt den gepeinigten Herbert Fleischmann nahezu jede mögliche Stimmung durchleben, durchleiden. Ein Fall für die vorderen Ränge des "Derrick-Universums", zunächst belasse ich es bei dicken

7,5/10 (gut bis sehr gut)

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Mo 17. Okt 2011, 22:54
von Blap
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Werwolf - Der Kuss der Bestie (USA 1990, Originaltitel: Meridian)

Full Moon im Schongang

Gina (Charlie Spradling) arbeitet in Italien, momentan restauriert die junge Künstlerin alte Gemälde. Catherine (Sherilyn Fenn) ist die Erbin eines mittelalterlichen Schlosses, gelegen in einer malerischen Ecke des Stiefellandes. Nach längerer Zeit sehen sich die Freundinnen endlich wieder, Gina folgt Catherines Einladung auf deren Anwesen. Als ein kleiner Wanderzirkus ganz in der Nähe eine Vorstellung gibt, überredet Gina die skeptische Catherine zum Besuch der Show. Da Gina von den Zirkusleuten begeistert ist, lässt sich die noch immer skeptische Catherine auf Drängen ihrer Freundin darauf ein, alle Mitglieder des Ensembles zu einem üppigen Mahl auf das Schloss zu bitten. Besonders der rätselhafte und charismatische Lawrence (Malcolm Jamieson) regt die Phantasie der Damen an, unbemerkt mischt man Catherine und Gina ein berauschendes Mittel in den Wein. Die Schlossherrin erlebt eine unfassbare Nacht, im Rauschzustand glaubt sie von einer haarigen Bestie geliebt zu werden. Am nächsten Morgen sind beide Frauen zerknirscht, der Zirkus scheint weitergezogen zu sein, Gina verlässt das Schloss und stürzt sich in ihre Arbeit. Catherine wird von erschreckenden Trugbildern gepeinigt, die vergangene Nacht wird nicht ihre letzte Begegnung mit Lawrence und dessen Begleitern gewesen sein. Welch fürchterliches Geheimnis umgibt den Magier und seine Truppe, welches Schicksal lauert auf Catherine...???

(Nicht nur) unter dem Full Moon Banner hat Charles Band zahlreiche Filme produziert und teilweise inszeniert, Band war bereits zuvor ein sehr umtriebiger Filmemacher. Full Moon bereicherte die bunte Welt der B-Movies um schöne Beiträge, als Beispiele möchte ich die Reihen "Puppet Master" und "Subspecies" anführen. "Der Kuss der Bestie" (der Zusatz "Werwolf" taucht erst seit der Veröffentlichung der DVD im Titel auf) zählt zu den ruhigeren Werken der Filmschmiede, präsentiert sich erstaunlich zahm, "überwiegend seriös" und krawallarm.

Band drehte in Italien, nutzt geschickt die reichlich vorhandene Ausstrahlung der alten Gemäuer, in denen sich der grösste Teil der Handlung abspielt. Die malerische Umgebung wird weniger konsequent eingebaut, in dieser Hinsicht wäre eine Prise mehr Fingerspitzengefühl angenehm. Trotzdem gelingt der Aufbau einer stimmigen Atmosphäre, die hauptsächlich durch die dunkle Romantik der tragischen Liebesgeschichte abgerundet wird, ein angehmer Schuss Erotik thront als schmackhaftes Sahnehäubchen auf dem Geschehen. Der Name Charles Band steht häufig für groben Unfug, Trash und diverse Kaputtheiten. Dieser Beiträg schwimmt ein wenig gegen den Strom, lediglich die nicht wirklich gelungene Aufmachung des Werwolfs sorgt für unfreiwillige(?) Grinser. Zugegeben, die Story ist reichlich abgenudelt, wurde schon unzählige Male ausgeschlachtet, einen Preis für Kreativität verdient das Drehbuch sicher nicht. Dennoch sind manche Klischees und Dauerwürste immer wieder für einen netten Filmabend gut, daher schaue ich gern über den Mangel an Innovation hinweg.

Sherilyn Fenn wurde durch den grossen Erfolg der TV-Serie "Twin Peaks" in den frühen neunziger Jahren zum Star, der Hype um das attraktive Nachwuchstalent löste sich jedoch schnell in Wohlgefallen auf. Seither taucht die hübsche Sherilyn immer wieder in Fernsehproduktionen auf. Aus der ganz grossen Karriere wurde nichts, doch immerhin versank Frau Fenn nicht im Meer der bedeutungslosen Eintagsfliegen. Die Rolle der Catherine passt wunderbar zu ihr, denn sie baut hauptsächlich auf ausdrucksstarke Augen und einen schönen Körper. In diesen Disziplinen zählt Sherilyn Fenn ganz eindeutig zur Oberklasse, nebenbei umgibt sie stets der reizvolle Hauch einer verführerischen Mixtur aus Naivität und Verdorbenheit. Charlie Spradling kann zwar nicht mit der Ausstrahlung Fenns mithalten, passt aber optisch noch besser in mein Beuteschema. Reduziere ich mich auf einen triebgesteuerten Lustgreis (wie bitte, mehr ist da sowieso nicht?), hängt mir die Zunge bei Frau Spradling noch ein Stück weiter aus dem geifernden Schlund. Beide Damen haben in den erotischen Szenen die Gelegenheit ihre Reize ansprechend zu präsentieren (leider nicht mit-/auf-/unter-/ineinander). Nur kurzzeitig gleiten die Erotikszenen in Klamauk ab, warum hat man den haarigen Unhold nicht stilsicherer ausgeführt? Malcolm Jamieson füllt seine Doppelrolle ohne Fehl und Tadel aus, Phil Fondacaro peitscht als zorniger Zwerg durch die Kulissen, der vielbeschäftigte Vernon Dobtcheff wird jedem Filmfreund bekannt sein, er ist als Kirchenmann zu sehen. Hilary Mason soll nicht unerwähnt bleiben, sie wirkt als gute Seele des Schlosses mit, dient Sherilyn Fenn/Catherine als zuverlässiger Rettungsanker.

Statt durchgeknalltem Trash gibt es wohlgeformte Rundungen auf die Augen, gerne hätte Band seine anziehenden Damen häufiger ausziehen dürfen! Die Momente der Nacktheit muten nie allzu offensiv an, der Streifen setzt ganz eindeutig auf Erotik, nicht auf Sex. Die Altersfreigabe (FSK 18) verwundert, denn Möpse sind vermutlich auch ab 16 unbedenklich, Gewalt und Mettgut finden nahezu nicht statt. Die DVD aus dem Hause Voulez Vous geht in Ordnung, Pixelzähler und Technokraten sollten allerdings die Finger von dieser Veröffentlichung lassen. Im Bonusbereich findet der Fan ein paar Trailer und andere Kleinigkeiten, das Wendecover zeigt auf der Rückseite das schönere Cover des alten Tapes, kommt ohne den dicken "FSK-Flatschen" aus (oben ist das neue Cover abgebildet). Wer von Charles Band und Full Moon nicht genug bekommen kann, darf sich diese Scheibe ohne Bedenken in die Sammlung stellen, der günstige Kaufpreis sollte die Entscheidung positiv beeinflussen.

Kein Knüller, aber schöne Frauen und knuffiger Grusel haben bei mir zu jeder Zeit Kredit!

6/10 (obere Mittelklasse)

Lieblingszitat:

"Ein perfekter Körper. Sanft und klassisch."
(Das kann ich bestätigen! Hechel, sabber, stöhn...)

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Di 18. Okt 2011, 23:09
von Blap
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#9 der Koch Media Western Collection


Der letzte Zug nach Durango (Italien, Spanien 1967, Originaltitel: Un treno per Durango)

Herr Steingesicht macht Spass

Gringo (Anthony Steffen) und Lucas (Enrico Maria Salerno) schlagen sich mühevoll durchs Leben, gerade haben sie einen erfolglosen Trip auf der Suche nach Platin hinter sich. Nun soll die Reise per Zug nach Durango führen, für die Tickets gehen Gäule und Knarren drauf, denn die Taschen des Duos sind völlig leer. Im Zug trifft Gringo auf die äusserst anziehende Journalistin Elène (Dominique Broschero), in die er sich Hals über Kopf verliebt. Plötzlich knallt und scheppert es gewaltig, eine wilde Bande mexikanischer Schurken überfällt den Zug, Ziel ihrer Begierden ist ein Tresor voller Gold. Es kommt jedoch nicht dicker, Gringo wird von einem Banditen niedergeschossen, Elène fällt in die Hände der ruchlosen Verbrecher. Immerhin hat Gringo Glück im Unglück, die Kugel des Killers wurde durch ein zuvor gestohlenes Zigarrenetui gestoppt. Auch Lucas überlebt die Attacke der wüsten Horde, ferner finden die ungleichen Freunde die beiden zum Tresor gehörigen Schlüssel. Nun beginnt ein aufregendes Abenteuer für unsere Helden, die sich umgehend an die Fersen der Mexikaner heften, zumindest unternehmen sie den Versuch dazu. Selbstverständlich geraten Gringo und Lucas in jede Menge brenzlige Situationen, aus denen sie immer wieder ein rätselhafter Bursche (Mark Damon) rettet...

"Der letzte Zug nach Durango" nutzt die mexikanische Revolution als "Hintergrundszenario", beschäftigt sich aber nur am Rande mit Politik. In erster Linie ist der Streifen ein typischer Italowestern, der durch die Zugabe einer ordentlichen Portion Humor in Richtung Komödie tendiert. Im Vorfeld sorgte das Wort "Komödie" für Sorgenfalten auf meiner alten Stirn, denn mit den üblichen Klamaukreissern kann ich (oft) nicht allzu viel anfangen. Glücklicherweise war meine Sorge unbegründet, der Humor rasselt hier nicht mit dem Vorschlaghammer samt "Kalauer-Synchronisation" auf den Zuschauer hernieder. Nein, dieser Film kann tatsächlich mit wirklich lustigen Momenten aufwarten, besonders die herrlich selbstironische Darbietung von Anthony Steffen sorgt für jede Menge Schmunzler (der Vollständigkeit halber: Antonio Luis von Hoonholtz de Teffè. Oder in der Kurzform: Antonio De Teffè). Regisseur Mario Caiano wirkte bei der Entstehung der Story mit, auch Duccio Tessari war involviert, der Fan des italienischen Genrekinos nimmt es mit Wohlgefallen zur Kenntnis.

Anthony Steffen ist noch immer für viele Italowestern-Fans ein Reizthema, oft wirft man ihm seine eingeschränkte Mimik vor, stempelt ihn als hüftsteif und hölzern ab. Unbestritten ist jedoch, dass Steffen zur grossen Zeit des Genres einer der gefragtesten Akteure war, daran können selbst seine grössten Skeptiker nicht rütteln. Ich mag Herrn De Teffè, seine Gestalt und sein markantes Gesicht reichen mir aus, um ihn zum erweiterten Kreis meiner liebsten Westernhelden zu zählen. Vielleicht lassen sich diesmal sogar die Nörgler zu einem milden Urteil bewegen, denn Steffen nimmt sich so treffsicher und gelungen auf die Schippe, wie soll man ihn da noch verteufeln? Also ihr spitzfindigen Meckermäulchen, gebt euch einen Ruck, es lohnt sich! Klar, Steffen profitiert ungemein von der Zusammenarbeit mit Enrico Maria Salerno, der die ihm zugeworfenen Bälle mit lockerer Meisterschaft zurückspielt, die beiden "tragisch-komischen Möchtegern-Helden" ergänzen sich vortrefflich. Bereits die zahllosen knuffigen Augenblicke zwischen Steffen und Salerno verleihen der Sause jede Menge Liebenswürdigkeit, der sich sogar ein Mufflon wie ich nicht entziehen kann. Mark Damon taucht stets zur rechten Zeit auf, hilft den überforderten "Schmalspur-Giganten" aus der Patsche. Bei Bedarf tuckert er mit seinem zwölf Pferdestärken aufbietenden Automobil herbei, lässt den Colt sprechen, im Ernstfall auch das Maschinengewehr rattern. Als undurchsichtiger "James-Bond-Ersatz" macht er eine gute Figur, obschon die Helden nur ungern und unfreiwillig auf seine Unterstützung bauen. Dominique Boschero sorgt für die weiblichen Reize, versteht es aber ebenso sich als wehrhafte Kratzbürste zu behaupten. In den Nebenrollen tauchen bekannte Gesichter auf, die jedem Freund des Italokinos ans Herz gewachsen sind. Namen wie Aldo Sambrell, Roberto Camardiel und José Bódalo sollten in dieser Hinsicht für sich sprechen. Wem diese Namen kein Begriff sind, sollte nach Bildern suchen, dadurch dürften sich einige "Ahaaaa-Momente" einstellen.

Mario Caiano stand ein solides Ensemble zur Verfügung, aus dessen Kreis vor allem Anthony Steffen mit einer bemerkenswerten Vorstellung im Gedächtnis bleibt. Die Kamera wurde von Enzo Barboni bedient, der später diverse Spencer & Hill Schoten als Regisseur verantwortete. "Un treno per Durango" bietet dem Fan ein wohlschmeckendes Mahl an. Es wird fleissig geballert und gestorben, der Humor ist für einen Western erstaunlich geistreich, eine Prise Revolution und ein Hauch Erotik runden den positiven Gesamteindruck ab. Übrigens beissen etliche Gesellen in den Staub, bei genauer Betrachtung offenbaren sich ab und an zynische Zwischentöne. Dass der Flick letztlich gar nicht soooo furchtbar typisch daherkommt, ist vor allem ein Verdienst des gelungenen Humors. Auf den Punkt gebracht: Überwiegend typisch, jedoch keinesfalls abgenudelt, angenehm frisch, frech & fröhlich!

Die Western Collection aus dem Hause Koch Media -wegen der farbenfrohen Covergestaltung gern "Regenbogen-Collection" genannt- ist für jeden Italowestern-Freund eine Quelle der Lust. Neben Klassikern des Genres ("Der Gehetzte der Sierre Madre" (1966) und/oder "Töte Amigo" (1967)) bietet die Reihe vor allem kleinere Perlen an, die auf ansprechende Weise aus dem Strudel der Vergessenheit gerettet wurden. "Der letzte Zug nach Durango" präsentiert sich sehr gut aufbereitet, die Bildqualität lässt kaum noch Wünsche offen, viel mehr geht auf einer DVD nicht. Im Bonusbereich plaudern Regisseur Mario Caiano und Darsteller Mark Damon aus dem Nähkästchen, ferner gibt es einen Trailer und eine Bildergalerie zu sehen. Wie üblich befindet sich die DVD in einem aufklappbaren Digipak, welches im Inneren einen lesenswerten Textbeitrag und hübsche Bilder anbietet. Noch ist die Scheibe für rund 10€ zu bekommen, in Anbetracht des Gebotenen ein geradezu unverschämt günstiger Preis, also greift schnellstmöglich zu!

Fraglos bleibt "Der letzte Zug nach Durango" deutlich hinter meinen Lieblingen zurück, dennoch ist dieser Streifen eine Bereicherung für jede Sammlung, für Fans sowieso unverzichtbar. Eine "sachlich-nüchterne" Bewertung (haha, als ob ich dazu in der Lage wäre) würde ich im Bereich 6,5-7/10 ansiedeln. An dieser Stelle muss ich einmal mehr in die grosse Kiste mit den Wohlfühl- und Knuffigkeitspunkten greifen, die der geneigte mit dem Herzen schauende Filmfreund bitte hin­zu­ad­die­ren möge.

Lieblingszitat:

"Schmeiß ihn irgendwo hin. Wir suchen erstmal den Geldschrank."

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Do 20. Okt 2011, 12:08
von Blap
Da zu den folgenden Filmen bereits unzählige Beiträge im Netz zu finden sind, werde ich mich diesmal auf ultrakurze Kommentare beschränken.


Psycho (USA 1960)

Die Story wird jedem Filmfreund bekannt sein. Meine letzte Begegnung mit dem Film lag bereits recht lange zurück, daher wurde es höchste Zeit die günstig erhältliche BD zu kaufen. Hitchcock inszenierte mit "Psycho" ein richtungsweisendes Meisterwerk, einen DER ganz grossen Klassiker der Filmgeschichte. Legionen von Regisseuren werden bis in die heutige Zeit durch "Psycho" inspiriert, herrliche Genres wie z.B. der Giallo und der Slasher berufen sich immer wieder und stetig aus Hitchcocks Überflieger.

Besser geht es nicht. Perfekte Besetzung, Spannung, Schockmomente, fasziniernde Atmosphäre. Aber das wisst ihr alles selbst, also schaut euch den Streifen mal wieder an, es lohnt sich immer! Die BD zeigt den Film in schöner Qualität, abgerundet durch jede Menge Bonusmaterial. Übrigens ist die "50th Anniversary Edition" zu bevorzugen, denn bei der Steelbook-Ausgabe fehlt das Booklet. Das leidige Thema um die gekürzten Szenen... ...kann leider auch die BD nicht aus der Welt schaffen.

10/10

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Die Goonies (USA 1985)

Bei "familienfreundlicher" Unterhaltung ergreife ich gern die Flucht. Doch es geht auch anders, die Goonies mochte ich bereits in den achtziger Jahren. Damals gab man als "junger Wilder" zwar nur ungern zu einen solchen "Softie-Streifen" zu mögen, doch "irgendwie" hatte fast jeder die knuffigen Goonies gern. Ist euch aufgefallen, dass "Sloth" der Bruder von Shannen Doherty sein könnte? Die Stellung der Augen passt, gewissermaßen wie die Faust aufs Auge.

Aus den Kinderstars wurden teils brauchbare Schauspieler, z. B. ist Sean Astin kaum aus den "Herr der Ringe" Werken von Peter Jackson wegzudenken. Nicht zu vergessen Josh Brolin, auf dessen Dienste die Coen Brüder bauten. Joe Pantoliano und Gesichtsruine Robert Davy als trottelige Gangster, Körperruine Anne Ramsey als deren gar schröckliche Mamaaaa. Die BD wird Technokraten eventuell nicht komplett befriedigen, tatsächlich schwankt die gebotene Qualität, insgesamt aber eine solide Präsentation.

Weniger als 7/10 mag ich nicht ziehen, denn noch immer sind die Goonies "irgendwie knuffig".

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Sa 22. Okt 2011, 00:33
von Blap
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UK-DVD von Optimum


She (Großbritannien 1965, deutscher Titel: Herrscherin der Wüste)

Usch Undress - Heisser als der glühende Wüstensand

Leo Vincey (John Richardson), Major Holly (Peter Cushing) und des Majors Diener und Vertrauter Job (Bernard Cribbins ) sind mutige und erfahrere Abenteurer. Eines Abends trifft Leo in einer Spelunke auf die junge Schönheit Ustane (Rosenda Monteros), mit der sich er wenig später an einen stilleren Ort zurückziehen will. Leider tappt der erwartungsfrohe Leo in eine Falle, wird von geheimnisvollen Gestalten hinterrücks ausser Gefecht gesetzt. Ustane soll jedoch nicht die Krönung dieser Nacht gewesen sein, denn plötzlich steht der Abenteurer vor der atemberaubend schönen und rätselhaften Ayesha (Ursula Andress), die ihm einen antiken Ring und eine alte Karte überreicht. Gemeinsam mit Holly und Job begibt sich Leo auf eine Reise voller Gefahren und Entbehrungen, die Karte soll den Gefährten den Weg zur sagenumwobenden Stadt Kuma weisen. Werden die Suchenden ihr Ziel erreichen, wird Leo die mysteriöse Ayesha wiedersehen, welche Pläne verfolgt die rätselhafte Grazie...???

Neben den herrlichen und prachtvollen Gothic Horror Werken, sorgte die britische Filmschmiede Hammer für viele andere reizvolle Streifen. "She" kommt als erbaulicher Abenteuer-/Fantasy-Mix daher, erfreut das Auge mit stimmungsvoller Ausstattung, vor allem mit einer erstklassigen Besetzung. Auf dem Regiestuhl nahm Robert Day Platz, in dessen Filmographie nicht nur einige Kinofilme auftauchen, sondern auch jede Menge Beiträge zu erfolgreichen TV-Serien. Keine Angst, "Die Herrscherin der Wüste" schrumpft zu keiner Sekunde auf TV-Format zusammen. Im Gegenteil, der Flick bietet sehr feine Hammer-Kost, obschon in diesem Fall nicht bewährte Größen wie Terence Fisher, Freddie Francis oder Roy Ward Baker für die Inszenierung verantwortlich zeichnen.

Hammer tischt uns all die schmackhaften Zutaten auf, die einen unterhaltsamen Abenteuerfilm mit deutlicher Schlagseite in Richtung Fantasy ausmachen. In der Wüste wird gekämpft, Durst und Hitze nagen mit Nachdruck an der Substanz der Helden. Wilde Wüstenkrieger setzen unseren Helden zu, wütende Schwarze sorgen für Krawall. Die Herrscherin der Wüste umgibt sich mit einer wehrhaften Leibgarde, deren Erscheinungsbild an römische Legionäre erinnert. Ein verschlagener Hohepriester darf nicht fehlen, ein magisches Feuer weckt gefährliche Begierden, im Finale wird ordentlich auf den Putz gehauen, bis dieser nicht nur von den Wänden fällt. Die tollen Außenaufnahmen werden durch gelungene Studiokulissen ergänzt, man sieht dem Film deutlich an, dass wird es hier mit einer der höherpreisigen Produktionen aus dem Hause Hammer zu tun haben.

Dennoch ist die beeindruckende Besetzungsliste die allergrösste Zierde des Streifens. John Richardson spielte 1966 die männliche Hauptrolle in "Eine Million Jahre vor unserer Zeit" (One Million Years B.C.), einer ebenso legendären Hammer-Schöpfung. In "She" bekommt er es mit den verehrungswürdigsten Kollegen des britischen Kinos zu tun, er hält sich erstaunlich gut, meistert seine schwierige Aufgabe ohne Fehl und Tadel. Freilich mutet Richardson oft wie ein Spielball an, dies ist der Rolle geschuldet, er verkommt trotzdem nie zur austauschbaren Randnotiz. Nun aber zu den Meistern, den Göttern, den Legenden, den Über-Helden (Contenance, Contenance)!!! Peter Cushing, Peter Cushing, Peter Cushing! Muss ich wirklich noch mehr schreiben? Ich liebe ihn, egal ob er sich todesmutig Dracula in den Weg stellt, oder den Todesstern unter seiner Knute hat, Cushing ist immer eine absolut sichere Bank, ein Schauspieler der unvergessen, unsterblich ist! Die Rolle es Ex-Militärs füllt er mit feinem Humor aus, bei Bedarf mit klugen Worten, im Notfall auch mit Taten. Damit nicht genug, in der Rolle des Hohepriesters sehen wir Christopher Lee, ein weiterer Liebling, ein Mann wie eine Edeltanne (hä?), ein Fels in der Brandung. Ich liebe ihn (wie überraschend)! Lee darf als Scheinheiliger ganz eigene Ziele verfolgen, die Maske fällt im Finale, mehr verrate ich nicht. Als wären wir damit noch nicht genug verwönht, präsentiert uns Hammer obendrein einen Star aus der zweiten Reihe, der sich brav hinter Cushing und Lee einordnet. Ja, der gute André Morell, der (wie alle Herren) unter der Fuchtel Ayeshas steht, den Vater der lieblichen Ustane (Rosenda Monteros) darstellt. Bernard Cribbins spielt sehr unterhaltsam den Diener Peter Cushings, das dynamische Duo ist ein knuffigesTeam, man möchte die beiden Burschen ständig knuddeln.

Ich will die Damen keinesfall in die zweite Reihe verbannen, doch das starke Geschlecht beschränkt sich auf lediglich zwei relevante Rollen (aber die haben es in sich!). Rosenda Monteros umschwärt als "Gute" den Abenteurer Leo, kämpft verzweifelt um dessen Liebe und Leben. Montereros passt vortrefflich in die Rolle der Ustane, fungiert als perfekt ausgewählter Kontrast zur "Bösen", der einzigartigen Ursula Undress (Andress! Verdammt!!!). Ok, Frau Andress wird nicht zu Frau Undress, der Fummel bleibt (leider) am Leib. Das "Original-Bond-Girl" darf als Herrscherin der Wüste auftrumpfen, trägt schrille und schöne Kostüme zur Schau, regiert mit gnadenloser Härte über ihre Untertanen. Wer sich IHR in den Weg stellt, der endet schnell im feurigen Schlund des Todes, wird vor ihrem Thron in ein glühendes Loch geworfen (nicht in IHR glühendes Loch, ihr Ferkel! Ich Ferkel?). Letztlich sehnt sich die mächtige Despotin nach Liebe, ihre Methoden sind allerdings von extrem fragwürdiger Natur, grrrrinsss. Ursula Andress ist umwerfend, ich kann meine Augen nicht von ihr lassen, gleite voller Freude mit Ayesha durch dieses kurzweilige Abenteuer.

"She" ist nicht nur ein sehr beachtlicher Abenteuerfilm, er punktet zudem mit einem konsequenten Ende. Ob dieses Ende nun freundlich oder fies daherkommt, davon müsst ihr euch schon selbst überzeugen, es lohnt sich! Eindrucksvoll ausgestattet und gefilmt, ein Drehbuch ohne Hänger, ausgezeichnet besetzt! Was will man mehr?

Weniger erfreulich stellt sich die Lage auf dem DVD-Markt dar. In Deutschland wurde der Film bisher nicht ausgewertet, daher dient mir die britische DVD als Ersatz. Von Optimum liegen mir diverse Scheiben vor, die Ausstattung ist in der Regel mager, die gebotene Qualität stimmt jedoch meist. Leider kann ich der DVD zu "She" kein gutes Zeugnis ausstellen. Das Bildformat ist nicht korrekt, überhaupt geht die Präsentation bestensfalls als "halbwegs brauchbar" durch. Hier wäre dringend eine Nachbesserung nötig, denn dieser feine Film hat es nicht verdient mit einem mittelprächtigen Scheibchen abgespeist zu werden! Da die UK-Scheibe zum kleinen Preis erhältlich ist, kann man zumindest einigermaßen mit ihr leben. Lieber nehme ich eine weniger gelungene Auswertung in Kauf, als völlig auf reizvolle Filme zu verzichten. Aaaber! Bitte, liebe Leute von Koch Media oder Anolis, kümmert euch um "Die Herrscherin der Wüste", sonst wird euch eines Tages Ayeshas Zorn treffen!

Mir liegen die wundervollen Hammer-Gothic-Grusler noch mehr am Herzen, aber "Die Herrscherin der Wüste" verdient zweifellos dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut)!

Lieblingszitat:

"Her wisdom is limitless, her anger boundless!"

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Sa 22. Okt 2011, 22:51
von Blap
Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

Bild
Derrick Collectors Box 6 (Folge 76-90)


Folge 83 - Die Schwester (Deutschland 1981)

Derrick und Klein wollen nach dem wohlverdienten Feierabend noch ein Bierchen trinken, sich ein paar Bissen in den Rachen schieben. Doch die Leitstelle vereitelt das Vorhaben unserer Helden, schickt sie im Eiltempo in die Räumlichkeiten einer Firma. Dort wurde offensichtlich eingebrochen, wodurch Alarm auf der zuständigen Polizeiwache ausgelöst wurde. Die zunächst eintreffenden Streifenpolizisten hören einen Schuss peitschen, finden wenig später die Leiche des Nachtwächters. Allem Anschein nach befinden sich die Täter noch im Gebäude, es kommt zu einer nervenaufreibenden Verfolgsjagd. In deren Verlauf muss Harry einen der maskierten Verbrecher mit einem gezielten Schuss niederstrecken, da dieser seine Waffe auf Derrick gerichtet hatte. Ausserhalb des Gemäuers geht die Hatz weiter, Harry kann nach einer Verfolgung per Auto einen zu Fuß flüchtenden Täter packen, der ihn jedoch in der anschliessenden Rauferei wieder abschüttelt. Benommen sieht der Kriminalbeamte den Verdächtigen in ein Wohnhaus verschwinden, dessen darauf folgende Durchsuchung leider ohne Erfolg bleibt. Immerhin trifft Klein dort auf die freundliche und attraktive Bewohnerin Doris Menke (Jutta Speidel), die seine kleine Wunde zunächst provisorisch versorgt. Bald besteht traurige Gewißheit, der von Klein getrofffene Gauner ist im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen, es handelt sich um einen erst achtzehn Jahre jungen Burschen. Harry macht sich schwere Vorwürfe, sucht Trost bei Doris Menke. Für Harry Klein ein willkommener Rettungsanker, für Doris Menke ein nahezu unerträglicher Zustand, denn noch ahnt die Kripo nichts von ihrer Nähe zu dem getöteten Nachwuchsgangster...

Fritz Wepper darf uns Harry von seiner nachdenklichen und zerbrechlichen Seite zeigen. Sicher hatte der Schuss seine Berechtigung, dennoch wird Harry in einen Strudel aus Selbstzweifeln und Albträumen gesogen. Wepper gelingt es auf überzeugende Weise, Harry über den Part des Wadenbeissers herauswachsen zu lassen. Dank seiner starken Leistung hängt er seiner -ansonsten oft eher eindimensional anmutenden Figur- eine ordentliche Portion Fleisch auf das Charaktergerüst. Horst Tappert erweist sich als fürsorglicher Kollege und besorgter Freund, der sofort die Probleme seines besten Mitarbeiters erkennt, ihn daher ausdauernd auf dem Schirm behält. Jutta Speidel meistert die Darstellung der inneren Zerrissenheit ihrer Figur souverän. Aus ihren Augen bricht der Schmerz über den unerwarteten Verlust hervor, wird sie sich dem Wunsch nach Rache beugen? Ruth Drexel sehen wir in einer kleinen Rolle als Mutter des erschossenen Einbrechers. Matthias Ponnier als kaltherzigen Sohn Drexels, der seinen Bruder rächen will, vor allem aber seinen eigenen Hintern retten möchte, dafür ohne mit der Wimper zu zucken über Leichen geht. Peter von Strombeck liefert sich einen ruppigen Schlagabtausch mit Fritz Wepper, Harry muss ordentlich einstecken.

Der Kriminalfall rückt ein wenig in den Hintergrund, diese Folge ist auf Fritz Wepper zugeschnitten, der seine Change nutzt und die gestellte Aufgabe mit Bravour meistert. "Die Schwester" beginnt ungewöhnlich rasant, Action und Spannung dominieren, in der ersten Viertelstunde wird geballert und geprügelt, gejagt und gestorben. Die anschliessende "Dramaphase" nimmt den Fuß erwartungsgemäß vom Gas, wirkt dadurch aber zu keiner Sekunde weniger packend. Für einen kleinen Schmunzler sorgt erneut Derricks Umgang mit Sklave Berger. Derrick und Klein stürmen per pedes aus der Tiefgarage, Berger kommt in flotten Dienstwagen vorgefahren. Flott und bestimmt wird Berger aus dem Auto abkommandiert, er soll sich in der Tiefgarage um den Verletzen kümmern, Derrick und Klein brausen im BMW davon. Tjo, die Männer machen den Männerjob, die Maden halten als Krankenschwester her, hartes Brot für das Bergerlein. Für den Score sorgte einmal mehr Frank Duval, der eine sehr schöne und stimmungsvolle Arbeit abgeliefert hat. Helmuth Ashley hat in der Vergangenheit nicht nur Folgen für die Spitzengruppe abgeliefert, doch je länger der Regisseur für die Reihe tätig ist, umso sattelfester und gelungener flimmern seine Beiträge über den heimischen Bildschirm. "Die Schwester" ist bisher die beste unter Ashleys Verantwortung entstandene Folge, darüber hinaus ein klarer Anwärter auf einen der vorderen Ränge im "Derrick-Universum"!

8/10 (sehr gut)

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: So 23. Okt 2011, 23:09
von Blap
Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 6 (Folge 76-90)


Folge 84 - Tod eines Italieners (Deutschland 1981)

Harry schwärmt Derrick von einen neuen italienischen Restaurant vor, doch vor allem hat es ihm die hübsche Kellnerin Ursula Weichler (Gerlinde Doeberl) angetan. Als die Kriminalbeamten sich ein schmackhaftes Menü gegönnt haben, fällt ihnen das zunehmend merkwürdige und unsichere Verhalten Ursulas auf. Tatsächlich herrscht hinter den Kulissen grosse Aufregung, denn der Restaurantinhaber Mario Forlani (Edwin Marian) wird von verbrecherischen Gesellen erpresst, man will "Schutzgebühren" abkassieren. Ursula ist um ihren Schwager besorgt, der mit ihrer Schwester Anna (Karin Baal) verheiratet ist, mit der er gemeinsam das Restaurant führt. Mario kann und will nicht zahlen, bei einem Treffen mit den Gaunern wird er brutal zusammengeschlagen. Derrick und Klein sind ebenfalls beunruhigt, obwohl sie noch nicht über die Erpressung in Kenntnis gesetzt wurden. Ihr Instinkt täuscht die erfahrenen Ermittler nicht, sie finden den verletzten Mario, sowie Anna und Ursula in der Wohnung der Forlanis vor. Es kommt noch dicker für die Familie, Mario erliegt im Krankenhaus seinen Verletzungen, die harten Schläge und Tritte verursachten innere Blutungen. Nun müssen sich Derrick und sein Team offiziell mit dem Fall beschäftigen, Anna Forlani verfügt über einen wichtigen Hinweis, doch die Angst um ihre Kinder hält die Witwe in einem eisigen Würgegriff...

Karin Baal in einer tragischen Rolle, zur Trauer um den gewaltsamen und sinnlosen Tod des Ehemannes, gesellt sich die nahezu panische Angst vor weiteren Übergriffen auf ihre Familie. Baal war zum Zeitpunkt der Dreharbeiten Anfang fünfzig, vielleicht schon fast ein wenig zu alt für den Part der Anna Forlani, da die Kinder der Eheleute noch recht jung wirken. Doch an solchen Kleinigkeiten will ich mich nicht stören, denn die deutlich gereifte Karin Baal überzeugt auf ganzer Linie. Bereits durch den alltäglichen Stress des Restaurantbetriebs und der Kinderbetreung am Limit, droht sie nun unter der unerträglichen Last und Pein zu zerbrechen. Gerlinde Doeberl wehrt sich als Ursula tapfer gegen die omnipräsente Angst, versucht die richtigen Entscheidungen zu treffen. Die Rolle der Ursula Weichler gibt daher viel mehr her, als nur ein nettes Lächeln für den schmachtenden Harry. Auch Klaus Herm will sich nicht der Angst und Gewalt beugen, als mutiger Kellner hält ihn sogar eine schmerzhafte Tracht Prügel nicht von der Zusammenarbeit mit der Polizei ab. Peter Bertram sehen wir als weiteren Kellner, sein Charakter erscheint im Verlauf der Handlung in einem zunehmend ambivalenten Licht. Die Nebenrollen wurden kaum weniger solide besetzt, Werner Asam will sich mit keinen Schweinereien ein paar Taler verdienen, Karl Walter Diess gibt den Fiesling.

"Tod eines Italieners" beschäftigt sich mit den Thema "Organisierte Kriminalität". Angenehmerweise verlässt sich das Drehbuch nicht ausschliesslich auf ausgelutschte Klischees. Klar, der Erpresste stammt aus Italien, doch die gezeigten Gauner kommen nicht südländisch daher. Der Folge gelingt sogar ein knapper Blick unter die Oberfläche, beleuchtet die Motive eines Verdächtigen, der nicht aus Gier nach Geld oder Luxus handelt. Die Angst der Betroffenen wird nicht an den Pranger gestellt, der mutige Kellner kommt nicht als strahlender Held daher, die Charaktere und ihre Handlungsweisen muten glaubwürdig und bodenständig an. In der Aussage bleibt "Tod eines Italieners" bewusst schwammig. Kämpft gegen die Angst an, aber rechnet mit Konsequenzen, wendet euch auf jeden Fall an die Polizei, so möchte ich es umschreiben. Die Lösung des Falles bedient sich eines einfachen Auswegs, mehr als einen kleinen "Etappensieg" können die Ermittler nicht auf der Habenseite verbuchen, Derrick beschliesst die Folge mit treffsicheren Worten. Zum Auftakt gibt man sich noch locker, Derrick, Klein und Berger haben offenbar einige kleine Clowns verspeist. Berger hat ein paar Szenen mehr als üblich, wächst (fast) über sein sklavisches Dasein hinaus. Harry und die Frauen, eine endlose Gesichte voller Pech, Enttäuschungen und mit sonstigen Hindernissen gespickt. Erneut gelang Helmuth Ashley eine unterhaltsame Folge. Sicher kein Knüller wie kurz zuvor "Die Schwester" (83), aber guter Stoff ohne Schwachpunkte.

7/10 (gut)

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Verfasst: Di 25. Okt 2011, 23:58
von Blap
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Links: Cover der Box (drei Amaray Cases im Pappschuber) / Rechts: Cover der DVD (auch einzeln erhältlich)


Die Rache der Dinosaurier (USA 1969, Originaltitel: The Valley of Gwangi)

Das goldige Urpferd und der fette Freßsack

T.J. (Gila Golan) betreibt eine Wild West Show, momentan gastiert die Truppe in Mexiko, der Erfolg hält sich in überschaubaren Grenzen. Als plötzlich Tuck (James Franciscus) auftaucht, gerät T.J. umgehend und heftig in Wallung, denn der lebensfrohe Strahlemann war einst ihr Lebensgefährte. Noch immer ist die junge Frau ihrem Ex zugeneigt, schnell verfliegt ihre mühselig aufgesetzte Kratzbürstigkeit. Tuck möchte T.J. (und vor allem sich selbst) zu einem lukrativen Geschäft verhelfen, als diese ihm stolz die kommende Hauptattraktion ihrer Show präsentiert. Es ist kaum zu fassen, aber ein kleines Pferdchen hoppelt fröhlich auf dem Tisch herum, ein Wesen wie aus einer anderen Welt. Kurz zuvor hat Tuck den schrulligen Paläontologen Professor Bromley (Laurence Naismith) kennengelernt, der beim Anblick des Tierchens völlig aus dem Häuschen gerät. Tatsächlich scheint es sich um ein Urpferd zu handeln, eine seit vielen Millionen Jahren ausgestorbene Tierart. Die alte Mexikanerin Tia Zorina (Freda Jackson) warnt ständig und ausdauernd vor dem verbotenen Tal -aus dem das Tierchen stammt- ihre Schergen entwenden das Pferdchen aus der Obhut seiner neuen Besitzerin. T.J., Tuck, Bromley und diverse Helferlein heften sich an die Fersen der Diebe, nach einem flotten Ritt findet man einen Zugang in das sagenumwobene Tal. Was die Dame und ihre Herren dort erwartet, übertrifft selbst die kühnsten Erwartungen des fachkundigen Prof. Bromley. Im vermeintlichen Paradies für Forscher und Geschäftemacher lauern allerdings immens gefährliche Ungetüme, darunter der stattliche und extrem gefräßige Allosaurus Gwangi...

Meine ältesten Erinnungen an wirklich beeindruckende Streifen, mich gewissermaßen fürs Leben prägende Werke, beziehen sich auf Gruselfilme der britischen Schmiede Hammer (Dracula, Blut für Dracula, Dracula jagt Mini-Mädchen), die damals wohl den Grundstein für meine Liebe zum Horrorkino legten. Dazu gesellen sich die ebenfalls im Gedächtnis eingebrannten Begegnungen mit japanischen Monsterknüllern (Godzilla, Die Rückkehr des King Kong). Später tauchten Filme auf meinem Schirm auf, bei denen Ray Harryhausen für die Monstereffekte sorgte. Ich mache keinen Hehl daraus, dass mir die Suitmation-Stampfer aus dem Land der aufgehenden Sonne noch immer (und ewig) näher am Herzen liegen, doch den knuffigen Stop-Motion Ungetümen von Harryhausen kann ich mich ebenfalls nicht entziehen. Klar, wer Monster und Monsterchen mag (oder gar liebt), der kommt nicht an den animierten Schätzchen des guten Ray vorbei. Noch heute fällt zuerst der Name Ray Harryhausen, wenn der Mann einen Film mit seinen Ungeheuern bereicherte, meist stehen Regisseure und Schauspieler in der zweiten Reihe. Dies ist bezeichnend für die Klasse und Bedeutsamkeit dieses legendären Könners, dessen liebevoll gestaltete Effekte jedes CGI-Spektakel zum kalten Kaffee degradieren. Star der Sause ist der ständig hungrige Saurier Gwangi, der sich kleinere Vertreter aus der Urzeit schmecken lässt, sich mit feisten Vierbeinern aus seinem Umfeld prügelt, vor allem Freude an seiner neuen Leibspeise Menschlein hat. Gwangi kommt zwar erst in der zweiten Filmhälfte zum Zuge, dafür dann aber nach allen Regeln der Stop-Motion Kunst! Zuvor darf das putzige Urpferchen unsere Herzen erobern, das Harryhausem mit sehr viel Fingerspitzengefühl (im wahrsten Sinne des Wortes) zum Leben erweckt hat. Ich will mich nicht endlos über die Klasse der Monsterszenen auslassen, es gibt Kämpfe, Entführungen und Krawall auf die Augen, für die liebreizenden Momente sorgt der winzige Traber des Jahres.

Die Story erinnert immer wieder an den Klassiker "King Kong und die weiße Frau". Wie ein einfallsloses Plagiat fühlt sich "Die Rache der Dinosaurier" jedoch nie an, dafür sorgt (nachrangig zur Arbeit Harryhausens) die clevere Verknüpfung von Westernfeeling und Monsterfilm, die wahrlich nicht alltäglich anmutet. Mir erscheint die Idee nicht nur klug, ich halte sie für durchaus mutig, denn die Gefahr sich zwischen alle Stühle zu setzen, ist nicht von der Hand zu weisen. Zwar gelingt die Verknüpfung der unterschiedlichen Genres im Ansatz ordentlich, doch Regisseur Jim O'Connolly inszeniert zu bieder und unkreativ, reizt die mutige Idee der Story nicht aus. Auch die Riege der Schauspieler kann mich nur bedingt erfreuen, werfen wir einen Blick auf die Herrschaften. James Franciscus gefiel mir in "Die Rückkehr zum Planet der Affen" (1970) und Dario Argentos "Die neunschwänzige Katze" (1971) sehr gut, in der Rolle des Sunnyboys Tuck kommt er bei mir nicht vollständig an. Zu uninteressant erscheint mir sein gelecktes Auftreten, ich musste mir grosse Mühe geben, Franciscus in dieser allzu glatten Ausführung zu mögen. Gila Golan kommt nicht über "nett" hinaus, die nur "angetäuschte Kantigkeit" ihres Charakters wird schnell zur Nebensache, ihr gezähmter Anflug von Sexappeal erinnert leider stetig an die späten fünfziger Jahre. Nahezu alle weiteren Mitstreiter bleiben austauschbar, lediglich Laurence Naismith kann sich als kauziger Professor immer wieder aus der öden Masse hervorheben. Ok, Freda Jackson gibt die "alte Hexe" herrlich geifernd, ihre Leistung soll nicht unterschlagen werden, so viel Zeit muss sein.

Will man einem Monsterfilm tatsächlich ankreiden, dass die Schauspieler weitgehend die Rolle von "Alibi-Füllmaterial" einnehmen? Sicher nicht, oder? Wenn jedoch der Versuch unternommen wird, zwei nicht näher verwandte Genres zu verbinden, dann sollte man IMHO nicht nur den Monstern den Starruhm überlassen. Wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse, entstehen fantastische Bilder vor meinen entzündeten Augen. Anstatt in den USA hätte man den Streifen in Italien produziert, einen Mann wie Enzo G. Castellari auf dem Regiestuhl platziert, kernige Fratzen aus dem Italowestern vor die Kamera geholt, Ray Harryhausen seine Monster in diesem Umfeld für Angst und Schrecken sorgen lassen. Pünktlich zum Finale wäre ein Japaner im Monster Suit aufgetaucht, hätte mit gewaltigem Getöse das gesamte Szenario planiert. Hilfe, wäre ich nicht bereits seit Jahren aus dem Verkehr gezogen, würde bei diesen Gedanken eine gigantische Erektion meine Windel sprengen! Doch wie tönt es unüberhörbar aus dem prall gefüllten Phrasenschwein: "Das Leben ist kein Wunschkonzert!" Schade, schade, schade...

Fazit, Fazit. Fazitpopazit.
• Harryhausen und seine Monster, Knuffelchen und Knuffelmonsterchen = Knuffig, oberknuffig, putzig, süß und herzallerliebst!
• Die Idee Western und Monsterfilm zu verbinden = Sehr lobenswert, leider zu zaghaft und bieder umgesetzt.
• Die Damen und Herren vor der Kamera = Mittelprächtig bis schlapp, immerhin sorgen Laurence Naismith und Freda Jackson nach Kräften für Stimmung.


Die Monster verdienen eine Bewertung im Bereich der Höchstnote, keine Frage. Der "Rest" fällt (zu) stark ab, ebenso keine Frage. Letztlich reicht es für meinen Geschmack nur zu einem Platz im vorderen Mittelfeld, denn inzwischen habe ich jede Menge Genrebeiträge inniger ins Herz geschlossen, wirkt der Gesamteindruck auf mich eine Spur zu unrund (bla...). An der DVD aus der "Ray Harryhausen Collection" (Warner) gibt es nicht viel zu bemängeln. Labeltypisch geht das Bild in Ordnung, reisst das "Drumherum" aber keine Bäume aus. Immerhin gibt es vier Trailer zu sehen, zusätzlich eine kurze Dokumentation und ein kleines Easter Egg. Die Scheibe war auch einzeln erhältlich, in der Box befinden sich ferner "Dinosaurier in New York" (1953) und "Kampf der Titanen" (1981).

6,5/10 (oberste Mittelklasse) Die Monster sprengen die Skala, sie mögen mir die Bewertung bitte nachsehen.

Lieblingszitat:

"Sie sind wahnsinnig. Völlig wahnsinnig!"