da ja hier in der letzten Zeit immer mehr Threads zum Thema Netzwerkplayer/-streamer auftauchen, wollte ich mal von meiner kleinen "Odyssee" und einer Alternative zu den bekannten Sonos, Sooloos usw. berichten.
Zum Hintergrund: Seit Jahren läuft die komplette Musikausgabe und -verwaltung digital über meinen Rechner. Nach diversen Soundkarten bin ich dann bei einem sehr guten DAC gelandet und mit dem Klang rundum zufrieden. Als Software nutzte ich zwar lange Winamp, bin aber wegen dem besseren Klang (subjektiv) und der überragenden Bedienbarkeit auf den J.River Media Center gewechselt.
Was aber irgendwann doch richtig genervt hat, war, dass man zum Steuern der Musik immer an den Rechner musste. Außerdem hat mich der Stromverbrauch doch sehr genervt (der Rechner ist eine Arbeits- und 3D-Workstation und recht potent; deswegen auch leider auch sehr stromhungrig....)
Also musste eine Alternative her! Die Voraussetzungen waren:
- allzwecktauglich (nicht nur Musik)
- leise
- netzwerktauglich (direkte Verbindung zum Hauptrechner - am liebsten via Remote Desktop)
- kein NAS erforderlich
- klein
- kompatibel zum DAC
- stromsparend
Somit fallen so ziemlich alle bekannten Streamer raus. Ein extra NAS will ich nicht; für Remote Desktop kommt für mich nur ein PC mit Win7 in Frage, was auch gleich die Allzwecktauglichkeit mit sich bringt.
Doch das wichtigste: die Steuerung sollte komplett mit einem Tablet-PC erfolgen!
Also fiel die Wahl auf eine Zotac Z-Box ND02; der Atom 330 mit dem ION (1. Gen) ist etwas stromsparender als die aktuellen Versionen (Atom 5xx und ION2) aber dennoch ausreichend selbst für FullHD.
Als Tablet sollte eigentlich eins der neuen Androids herhalten. Da sich aber die meisten Hersteller viel Zeit mit der Markteinführung lassen, ist es ein iPad2 geworden. Hier gibt es ja auch einige DNLA-Apps, also kein Problem... oder doch?
Der J.River Media Center bietet von Haus aus alle DNLA-Funktionen und vor allem hat er meine Musik-Bibliothek korrekt eingelesen (mit Winamp habe ich es mir zur besseren Übersicht angewöhnt, im Album-Tag vorne weg den Artist nochmal einzutragen; damit habe ich in einer Liste die komplette Übersicht über Interpreten und Alben gleichzeitig. Gewöhnungssache, aber ich will es auch nicht ändern).
Nun begann die Odyssee mit der richtigen (oder besser: überhaupt funktionierenden) App! DNLA ist leider nicht gleich DNLA

Erster Test - PlugPlayer. Server und Renderer werden sofort erkannt, aber komplette Alben werden nur gespielt, wenn die App im Vordergrund läuft. Geht das iPad auf Standby oder man wechselt zu einer anderen App ist nach dem aktuell laufenden Lied Schluss! Der j.River kann leider nicht die kompletten Playlisten empfangen, bzw. werden sie nicht vom PlugPlayer gesendet. Das ist leider eine spezielle LINN DS Funktion....
Optisch viel besser als der PlugPlayer kommt SongBook daher. Hier gibt es eine universelle Version namens SongBook HD UPNP.
Die App findet auch den Server und Renderer, ist super schnell, verweigert aber jeglichen weiteren Dienst (starten der Wiedergabe ist nicht möglich).
Ähnliche Macken zeigen auch andere Apps (SmartStore, media:connect, media Link) oder haben ein gräßliche Oberfläche.
Auch weitere Tests mit anderen DLNA-Servern und/oder Renderer (Twonky, Wild Media, Asset, Squeez....) brachten keinen Erfolg.
Ein kleiner Lichtblick: der uPlayer von db-Power Amp/Illustrate. Dieser hat eine LINN DS Erweiterung, so dass der PlugPlayer auch komplette Playlisten schicken konnte. Allerdings ist der uPlayer eher ein Proof-of-Concept, absolut rudimentär und läuft nur in einer Kommandozeile. Vor allem konnte ich das WASAPI-Out unter Win7 x64 nicht zum laufen bringen; also wieder nichts

Nun ein verzweifelter neuer Versuch: von Apple gibt es ja die Remote App, mit der sich iTunes perfekt steuern lässt. Also iTunes drauf und siehe da, alles funktioniert theoretisch. Die Soundqualität von iTunes im Vergleich zum j.River ist jedoch ein No-Go! Und da der größte Teil meiner Sammlung auf flac-Dateien besteht, wäre der Konvertier-Aufwand für iTunes kaum zu rechtfertigen. Allein solche Kleinigkeiten wie das Einlesen der Bibliothek geht unter iTunes mal garnicht! j.River ca. 3 Minuten, Winamp 2 Minuten, iTunes ca. 30 Minuten für ca. 35 % der Sammlung.
Durch Zufall habe ich gesehen, dass es für FooBar ein DAAP-Plugin gibt (iTunes/Apple benutzt kein Standard-DLNA sondern mal wieder ihren eigenen Mist...). Dazu das WASAPI-Plugin und der Spaß kann losgehen! In der Klangqualität nehmen sich j.River und FooBar nichts (mit den entsprechenden Einstellungen). Die Tags bei Compilations musste ich zwar anpassen (Album-Interpret eintragen und die Remote App zeigt Compilations bzw. Alben, bei denen der Artist nicht bei allen Tracks gleich ist, auch als ein Album an).
Es ist schon ultra komfortabel genüsslich auf dem Sofa zu sitzen und bei Bedarf mit dem Tablet durch die komplette Musik-Sammlung zu gleiten.
Die Aufmachung von der Remote App ist wirklich top; nur nervt es ein wenig, dass alle Cover neu eingelesen werden, wenn man die App richtig beendet oder FooBar neu startet. Je größer die Cover, desto länger dauert es dann auch...
Und der Mehrwert eine richtigen Rechners als Audio-Kiste im Gegensatz zu den Streamern? Kein extra NAS, das laufen muss. Eine Remote Desktop App auf das Tablet und man kann mit der Windows Kiste richtig arbeiten. Filme sind kein Problem, und alle Daten, die das Tablet nicht verarbeiten kann, landen schnell auf den PC. Dazu ein perfekter Datenabgleich mit dem Hauptrechner über das Win7 Heimnetzwerk, oder z.B. Backups.
Ich kann nur sagen, für mich ist das wirklich die perfekte Lösung! Und sorry, dass das hier ein halber Roman geworden ist

Greets Funkx