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NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Mi 17. Apr 2002, 17:50
von g.vogt
Hallo ihr da draußen,

ich bin interessiert an euren Hörerfahrungen mit der Kombination Nubert-Box und NAD-Verstärker (-receiver). Habe die nuWave3 mit ABL; da die Nuberts alle dem gleichen Ideal zustreben, würde mir jede Erfahrung mit irgendeinem Nubert-Modell weiterhelfen.

Den C350 konnte ich mal zu Hause probieren. Der erste Eindruck war gut, aber er setzt sich von der vorhandenen Anlage (alter Harman-Receiver) nicht weit genug ab. Stimmen hatten etwas zu wenig Körper (oder meine Hörgewohnheiten sind auf Harman getrimmt).
Mit ABL ging mir der Amp etwas zu zeitig in die Knie.

Kennt jemand den C370? Kann der's soviel besser dass sich der Aufpreis zum C350 lohnt?

Sonst Tipps für einen Verstärker zwischen etwa 400 und 800 EUR?
Wegen des ABL würde ich einen Amp mit auftrennbarer Vor- /Endstufe bevorzugen. Mancher Amp hat ja leider nicht mal mehr Tape-Monitor.

Mit internetten Grüßen

NAD plus Nubert

Verfasst: Mi 17. Apr 2002, 20:49
von Markus
Hallo G.Vogt,

ich habe mit dem NAD C370 und den nuWave 10 (bisher noch ohne ABL) meine Traum-Kombi gefunden. Mein Hörraum ist ca. 30 qm groß, und es ist mir bisher noch nie gelungen, den Verstärker oder die Boxen an ihre Leistungsgrenzen zu bringen. Von daher wundert mich Deine Erfahrung, dass der C350 zu früh in die Knie gegangen sein soll. Wie äußerte sich das denn?

Es ist klar, dass die nuWave-Serie mit ihren 85 dB Wirkungsgrad nach kräftigen Verstärkern verlangen (zumindest bei größeren Räumen), aber da hatte ich mit dem sehr laststabilen C370 noch nie Probleme. Interessant wäre es zu wissen, wie dies in Kombination mit dem ABL-Modul aussähe, hier ringe ich noch mit mir, ob ich's mal versuchen soll.

Vom gesamten Klangeindruck kann man sagen, dass die Kombination Nubert-NAD sehr neutral und ehrlich ist. Die Stereo-Perspektive ist klar aufgelöst, es gibt weder matschige Mitten noch wummernde Bässe. Alles klingt sehr strukturiert und präzise. Ob einem dies gefällt, muss jeder für sich entscheiden. Ich finde, dass bei dieser Anlage ein Klavier nach Klavier, ein Saxophon wie ein Saxophon und eine menschliche Stimme wie ebendiese klingt.

An meiner Zweitanlage betreibe ich nuWave 3 an einem Yamaha-Verstärker. So hatte ich auch einmal versuchsweise die nuWave 3 an den NAD angeschlossen. Es ist ein gigantischer Unterschied zur nuWave 10 festzustellen: letztere klingt ungemein voluminöser, sie reicht tiefer hinab und ist in der gesamten Stereo-Abbildung deutlich präziser.

Zum Unterschied C350 - C370: meine erste Frage beim Händler meines Vertrauens war damals, ob sich der doch enorme Preisunterschied zwischen beiden Verstärkern überhaupt bemerkbar macht. Dieser meinte nur, ich müsse mir schon mein eigenes Bild machen. Beim Probehören war den Unterschied dann nicht wegzudiskutieren. Das größere Modell klang deutlich souveräner und impulsiver. Vom Klangcharakter unterschieden sich beide Modelle zwar kaum, wohl aber von der Dynamik, man merkte einfach, dass der C370 die Box besser "im Griff" hatte.

Eine Problematik mit der nuWave-Serie im Allgemeinen und in Kombination mit einem neutralen Verstärker im Speziellen möchte ich Dir aber nicht verschweigen: betreibt man die Box in einem verhältnismäßig schwach gedämpften Raum, so neigen sie subjektiv dazu, die Höhen überbetont erscheinen zu lassen. Man kann durch Variation der Aufstellung einiges machen (beiliegende Beschreibung lesen!), aber für einen optimalen Klang kommt man um einen Teppich und/oder Zimmerpflanzen wohl nicht herum. Weiterhin muss man wissen, dass die optimale Aufstellung der Boxen einiges an Geduld und an Einfaltsreichtum verlangt, besonders wenn der Hörraum stark unsymmetrisch ist oder offene Durchgänge in angrenzende Räume vorhanden sind.

So, nun habe ich Dir die Ohren zugequatscht. Hoffentlich war das ein oder andere hilfreiche dabei.

Gruß,

Markus.

Die Entscheidung

Verfasst: Mi 1. Mai 2002, 11:40
von g.vogt
Hallo Markus,

danke für deine Antwort. Schließlich kam es doch anders: Ich habe mich für den "kleineren" C350 entschieden, weil ich ihn als gerade mal 1/2 Jahr gebraucht für 70% des Neupreises angeboten fand.
Es hat dann noch einen Tag gedauert bis ich mich mit dem NAD wirklich angefreundet hatte. Mein Fehler: Ich hatte ihn mit dem alten Harman-Receiver immer wieder bei voller Leistung verglichen. Das Phänomen: Obwohl bei Harman keiner was von Softclipping erzählt kaschiert der eindeutig die Übersteuerung besser als NAD, der ohne Softclipping hart clippt und mit Softclipping pumpt.
Das Übersteuerungsverhalten des Harman scheint seinen Ruf der sagenhaften Kraft trotz geringer Ausgangsleistung auf dem Papier mit zu begründen. Irgendwo im Forum (bei Surround?) schrieb neulich einer, er könne seinen H/K-A/V-Receiver bis zum Anschlag aufdrehen!

Die Überraschung wartete dann aber beim Hören mit normaler, den Ohren dauerhaft zumutbarer Lautstärke. Um Klassen besser! Tatsächlich muss mein Gehör auf Harman getrimmt gewesen sein. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass der NAD wunderbar neutral spielt - man kann einfach vergessen, dass da eine Anlage Musik reproduziert und sich völlig auf die Musik konzentrieren. Auch die Basswiedergabe (mit ABL) ist unauffällig realistisch.
Der Hammer kam beim ersten (Solo)-Klavierstück: Wo sind denn die Rauschfähnchen hin? Ich hatte doch tatsächlich geglaubt, das zarte Räuscheln bei jedem Anschlag gehörte zur Aufnahme!

Noch eine Bemerkung zur nuWave in schwach bedämpften Räumen: Wer hat so was schon!? Ich betreibe meine Anlage in einem ganz normalen familientauglichen Wohnzimmer, also "vollgestellt" und mit Teppich, Zimmerpflanzen usw. Da ist die nuWave3 absolut Spitze. Ich hatte vorher eine ebenso teure Dynaudio Audience.5 - und war nahe dran, zu glauben, dass jetzt eben mein Gehör nachlässt. "Natürlich" stehen meine Boxen ungünstig - aber ich bin ja schon froh, dass ich jetzt ein richtiges Stereodreieck habe. Alles rücken und drehen hilft aber nur bedingt. Meine Lösung: Wenn ich mal richtig gut zuhören möchte, dann rücke ich das Sofa 1/2 Meter von der Wand weg, ziehe die Boxen vor und stelle sie enger zusammen.

In einer Hinsicht ist der C350 auch familientauglicher: Teenager hören am liebsten am Limit - mit dem C370 würden wir bald aus der Mietwohnung fliegen! Aus dem gleichen Grund habe ich das ABL nicht am Pre-Out/Main-In, sondern über Tape-Monitor laufen. Nach jedem Abschalten ist Tape-Monitor deaktiviert, und das hat 'se noch nicht gemerkt!

An der nuWave3 ist das ABL eine Offenbarung. Manche Musik hört sich mit tief reichenden Bässen völlig neu an. An der nuWave10 dürfte der Effekt nicht so deutlich sein, aber wenn du schon mal mit einem Sub geliebäugelt haben solltest, dann probier unbedingt das ABL vorher!
Ich bin kein Heimkinofan - und meine Nachbarn dürften auch was gegen Dinosauriertritte haben. Für Musik finde ich das ABL wesentlich sinnvoller. Den Höreindruck finde ich wesentlich homogener. Es ist eine echte Plug-and-Play-Lösung: Wenn die Boxen schon richtig stehen, ist es eben einfach nur besser. Das persönliche Optimum ist schnell gefunden und kann bei einigen Aufnahmen auch mal variiert werden. (Ich habe den Eindruck, dass einige Tonstudios gar nicht merken, was sie im Tieftonbereich für Müll aufnehmen, manchmal kann man den Straßenverkehr vorm Studio hören!)
Mit den Subs ist man nur wieder am rumrücken und einpegeln.

Was den Leistungsbedarf angeht: Das von mir beobachtete Pumpen war mit ABL natürlich heftiger. Aber das spielte sich in meinen ca. 20qm erst bei bereits sehr ungesunder Lautstärke ab. An der nuWave10 dürfte die Basslinearisierung weniger leistungshungrig sein - ich denke, das kann der C370 locker aus dem Ärmel schütteln.

Mit internetten Grüßen

NAD und Nubert

Verfasst: Mi 1. Mai 2002, 22:01
von Markus
Hallo G.,

Deine Antwort war sehr interessant und aufschlussreich. Mit dem Problem der "Familientauglichkeit" einer Lautsprecheraufstellung konnte ich mich recht gut identifizieren. Auch ich hatte dieses Problem zunächst, konnte aber mit der Anlage ausweichen auf unseren verhältnismäßig großen Gästebereich, so dass ich dort eine halbwegs optimale Aufstellung der Boxen und des Hörposition erreichen konnte.

Der Trick mit dem Tape-Monitor für den Anschluß des ABL-Moduls fand ich originell und werde ich mir merken, auch wenn unsere Tochter erst 20 Monate alt ist. :lol: Auch habe ich mich erst vor zwei Tagen zur Bestellung des Moduls entschieden. Subwoofer kam für mich zum normalen Stereo-Hören nicht in Frage, von der Theorie her ist mir klar, dass allenfalls das ABL-Modul meine Forderungen nach tiefreichendem und trotzdem präzisen Bass (hoffentlich) ohne Dröhnprobleme erfüllen kann.

Das Phänomen "Pumpen" des Verstärkers bei aktiviertem Soft-Clipping ist mir neu. Ich habe bisher schon jede Menge Test- und Erfahrungsberichte zur NAD-Verstärker-Familie gelesen, unter dem von Dir beschriebenen Verhalten kann ich mir trotzdem überhaupt nichts vorstellen. Könnte es sein, dass hier ein Defekt vorliegt, der auch den Vorbesitzer veranlasst hat, das Gerät abzustoßen (nach 1/2 Jahr verkauft man keinen NAD-Verstärker). Geh mal zum Vertragshändler und lass das checken.

Meine Erfahrungen mit dem ABL-Modul werde ich, sobald vorhanden, hier oder an anderer Stelle im Forum posten.

Gruß,

Markus.

Verfasst: So 5. Mai 2002, 14:22
von g.vogt
Upps!
Da hab ich doch einen Schreck gekriegt!
Der Amp ist vom Fachhändler. Allerdings habe ich den beschriebenen Effekt am Vorführmodell erlebt, den ich als unentschlossener Kunde zu Hause testen durfte.
Leider weiß ich auch nicht mehr, bei welcher Aufnahme das passiert ist, nur noch, dass sie ungesund viel Bass hatte. Vielleicht ist "Pumpen" auch der falsche Ausdruck. Man könnte es auch "Schluckauf" nennen.

Bei einem erneuter Test in Abwesenheit meiner Freundin habe ich es mit Dire Straits "Money for nothing" am Lautstärkesteller bis 11:30 Uhr gebracht, ohne nennenswerte Übersteuerungseffekte - mehr vertrage ich nicht.

Der Anschluss des ABL an Tape-Monitor hat noch einen Vorteil: Es gibt einige wenige Aufnahmen, bei denen der Bass völlig überzogen ist oder im Tiefbassbereich schlichtweg Müll aufgenommen worden ist - da kann es auch mal helfen, das ABL abzuschalten.

Mit internetten Grüßen

Re: NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Mi 4. Mai 2011, 17:34
von Edgar J. Goodspeed
Sorry, dass ich Grabschänder spiele, aber es ist einfach zu köstlich diese alten Sachen zu lesen, Gerald :lol:

Re: NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Do 5. Mai 2011, 09:29
von mcBrandy
Edgar, du hast einfach zuviel Zeit. :mrgreen:

Als nächstes komm ich an die Reihe, oder wie?

Re: NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Do 5. Mai 2011, 10:59
von Edgar J. Goodspeed
Das war nur Zufall, dass ich den Thread gefunden hab :wink:

Re: NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Do 5. Mai 2011, 11:39
von Stevienew
Hallo Christian,
mcBrandy hat geschrieben:Edgar, du hast einfach zuviel Zeit. :mrgreen:

Als nächstes komm ich an die Reihe, oder wie?
Die Idee ist garnicht mal so schlecht :mrgreen: :mrgreen: . Da gibt es bestimmt auch die ein oder andere Anekdote auszugraben :wink:

bis dann, ......ich fang' dann mal an zu suchen :wink:

Re: NAD und Nubert-Boxen?

Verfasst: Do 5. Mai 2011, 13:14
von Edgar J. Goodspeed
Stevienew hat geschrieben:......ich fang' dann mal an zu suchen :wink:
Du meinst sowas, Stefan? :mrgreen: