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Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 15:08
von shadow_cb
Hallo zusammen,

ich bin neu und kenne mich nicht so aus.
Ich plane gerade mein jetzige Heimkinohardware (1 AVR aktuell Onkyo TX-NR646, 5.2.2-Set Passivboxen Teufel/SVS) weitgehend mit Nubert-Equipment auszutauschen.

Nun intereessiert mich das Thema Wirkungsgrad. Wahrscheinlich werden bei dem Thema einige seufzen oder stöhnen. Es scheint auch irgendwie ein bisschen ein Reizthema zu sein. Als ich meine Verständnisfrage dazu an der Nubert-Hotline gestellt habe, wurde der Service-Mitarbeiter schnell recht ungehalten und sehr kurzangebunden. Nagut. Ich stelle meine Frage mal hier.

Folgendes weiß ich dazu bisher bzw. wurde mir dazu erzählt.

* Zum einen haben einige Nubert einen - im Vergleich zu anderen Lautsprechern - geringen Wirkungsgrad. Beispiel: Nuvero 60 mit 83 db, Nuvero 30 mit 82,5 db. nuline CS-174 84,5 db. Selbst die Standboxen 284 haben "nur" 85,5 db.
* Begründet wurde das mit anspruchsvollererer Technik (Weichen, Freq. trennen etc.), die mehr Leistung abverlangt, u.a. auch um die Linearität zu erzeugen. (Zwischenfrage: ist das so richtig oder liegt der Grund noch woanders?)
* davon abgeleitet braucht man erheblich mehr Leistung vom AVR, um dieselbe Lautstärke wie bei einem Lautsprecher mit durchschnittlichem Wirkungsgrad zu erzeugen (soweit ok?)

Und nun meine 3 Hauptfragen dazu:
1. Ist es so, dass man - wenn man von anderen Boxensettings zu Nubert wechselt - erstmal die Lautstärke "gefühlt" deutlich weiter aufdrehen muss, damit die Lautstärke vergleichbar ist? (so stelle ich mir das gerade in meiner Naivität vor :-) )
2. Reicht ein AVR oder braucht man dann eine eigene Endstufe um den Wirkungsgrad zu kompensieren?
Lässt sich das noch anders lösen/kompensieren? Was habt Ihr dazu unternommen?
3. Ist durch den erheblich größeren Leistungshunger aller Boxen (z.B. bei 5.2.2) der Stromverbrauch auch deutlich höher? Ich kann es mir gerade nur so vorstellen. Oder ist das vernachlässigbar?
Ich habe meine Anlage inkl. Boxen eigentlich immer bei Filmen an, im Grunde jeden Abend. Muss ich da mit erheblichem Stromverbrauch durch den Wechsel rechnen? Hat das schonmal jemand gemessen, was dies ungefähr ausmacht? (ich kann gerade nicht ableiten, was 7,5 db Unterschied (z.B. zwischen Nubert mit 83 db zu Dali mit 90,5 db) ausmachen.

(P.S. ich habe in der Suchfunktion "Wirkungsgrad" eingegeben und die ersten 5 Seiten mit Treffern durchgelesen, bin dazu aber nicht fündig geworden. Womöglich gibts ja noch ältere Threads, in denen das Thema ausführlich diskutiert wurde?)

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 16:27
von Weyoun
Hallo und willkommen im nuForum!

Haben die Dalis den Wirkungsgrad von 90,5 dB auch bei 1 Watt in einem Meter Entfernung angegeben? Das klingt nämlich ziemlich viel. Falls ja, dürften den Dalis im Bass deutlich schneller die Puste ausgehen (ein Großteil des "schlechten" Wirkungsgrades geht bei Nubert darauf zurück, dass die Frequenzweiche auf eine lineare Basswiedergabe bis in die untersten Bereiche getrimmt ist).

7,5 dB Unterschied bedeutet, dass der Lautsprecher mit dem niedrigeren Wirkungsgrad mit Faktor 5,62 an Leistung "gefüttert" werden muss, um gleich laut zu spielen.
90,5 dB => der Lautsprecher wandelt 0,7079 Prozent der elektrischen Energie in Schallenergie um.
83 dB => der Lautsprecher wandelt 0,1259 Prozent der elektrischen Energie in Schallenergie um.

Hier kannst du übrigens selber gerne rechnen:
http://www.sengpielaudio.com/Rechner-wirkungsgrad.htm

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 16:48
von BlueDanube
Dali gibt den Wirkungsgrad bei 2,83V (bei 4 Ohm: 2W) an.
Nubert gibt den Wirkungsgrad bei 1W an.
Eine Verdopplung der Leistung ergibt einen Pegelgewinn von 3dB. D.h. die nuVero 60 hätte bei 2W 86dB auf 1m Abstand.
Für die Dali Epicon 2 wird z.B. 87dB angegeben.

Wie laut hörst Du denn?
Bei Zimmerlautstärke läuft jeder Verstärker quasi im Leerlauf - da machen ein paar Watt extra keinen Unterschied im Verbrauch.
Zum Vergleich:
Ein Symphonieorchester liefert bei Fortissimo etwa 90dB (das ist in einer Wohnung schon sehr laut).
Bei einem Metal-Konzert kanns schon einmal 110dB oder mehr haben. In einer Mietwohnung bekommst Du da aber die Kündigung...

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 16:51
von AUT100


Schau mal so ab Minute 13.
Höchst interessante Aussage. (und spricht für die nuberts meiner Meinung)
LG

und ja du brauchst etwas mehr Leistung. Aber eine Endstufe muss nicht sein. Bei meinem Setup zumindest nicht. :D

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 16:57
von Mysterion
Es gibt noch ein älteres Video, als Dr. Gauder noch bei Isophon war und da sprang er damals Lars Mette im Interview fast ins Gesicht, als dieser nach dem Wirkungsgrad fragte. :mrgreen:

100 Watt pro Kanal sind offensichtlich keine schlechte Hausnummer, denkt man an den Test des AmpX an einem paar nuPyramide.

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 17:00
von Regenfreund
Was spielt ein minimal höherer Stromverbrauch für eine Rolle, wenn Dich die Boxen glücklicher machen...?

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Di 15. Dez 2020, 18:51
von Squeeze
shadow_cb hat geschrieben: Di 15. Dez 2020, 15:08Nun intereessiert mich das Thema Wirkungsgrad. Wahrscheinlich werden bei dem Thema einige seufzen oder stöhnen. Es scheint auch irgendwie ein bisschen ein Reizthema zu sein.
Ich habe nicht den Eindruck, dass der Wirkungsgrad ein Reizthema ist. Der Wirkungsgrad ist ein technischer Paramter, der für sich alleine genommen wenig Bedeutung hat. Er kann aber ein Hinweis auf die Klangeigenschaften sein, denn:
shadow_cb hat geschrieben: Di 15. Dez 2020, 15:08* Begründet wurde das mit anspruchsvollererer Technik (Weichen, Freq. trennen etc.), die mehr Leistung abverlangt, u.a. auch um die Linearität zu erzeugen. (Zwischenfrage: ist das so richtig oder liegt der Grund noch woanders?)
Das ist durchaus der Hauptgrund. Die Umwandlung von einer Energieform in die andere (elektrischer Strom in Schallwellen) ist anspruchsvoll und erfordert aufwändige Frequenzweichen, die genau auf die Eigenheiten der Lautsprecherchassis abgestimmt sind, damit am Ende ein möglichst linearer Frequenzverlauf herauskommt. Und komplexe Frequenzweichen mit vielen Bauteilen "schlucken" halt etwas mehr Energie als einfache.

Gut verständliche technische Details zu Frequenzweichen findet man in Technik satt von Herrn Nubert gleich auf Seite 5.
shadow_cb hat geschrieben: Di 15. Dez 2020, 15:08* davon abgeleitet braucht man erheblich mehr Leistung vom AVR, um dieselbe Lautstärke wie bei einem Lautsprecher mit durchschnittlichem Wirkungsgrad zu erzeugen (soweit ok?)
Typische Verstärker/AVR verbrauchen bei hoher Lautstärke nur unwesentlich mehr Leistung als im Leerlauf oder bei Zimmerlautstärke. Ich würde daher stark wetten, dass du überhaupt keinen Unterschied in der Stromrechnung feststellen wirst. Und selbst wenn du mit einem Leistungsmessgerät rangehst, bleibt die Erhöhung maximal im einstelligen Prozentbereich.

Na gut, vermutlich wird die Stromrechnung doch etwas höher ausfallen, weil du noch öfter und länger vor der Anlage sitzen wirst. ;)

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Mi 16. Dez 2020, 10:10
von Weyoun
BlueDanube hat geschrieben: Di 15. Dez 2020, 16:48 Dali gibt den Wirkungsgrad bei 2,83V (bei 4 Ohm: 2W) an.
Nubert gibt den Wirkungsgrad bei 1W an.
Eine Verdopplung der Leistung ergibt einen Pegelgewinn von 3dB. D.h. die nuVero 60 hätte bei 2W 86dB auf 1m Abstand.
Für die Dali Epicon 2 wird z.B. 87dB angegeben.
Okay, ich habe mich schon gewundert über solche "Wunder-Wirkungsgrade". :wink:
Somit sind meine Berechnungen natürlich hinfällig und es wird nur minimal mehr Leistung benötigt.

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Mi 16. Dez 2020, 10:41
von Indianer
allerdings gibt Dali 6 Ohm Impedanz an, das wären also im Vergleich nur 1,33W bei 2,83V ...

aber was soll's, ob für fette HiFi-Lautstärke am Hörplatz nun 10 oder 30W gebraucht werden, hat imho ohnehin keine praktische Relavanz :confusion-shrug:

Re: Wirkungsgrad und Stromverbrauch

Verfasst: Mi 16. Dez 2020, 15:15
von BlueDanube
Indianer hat geschrieben: Mi 16. Dez 2020, 10:41 allerdings gibt Dali 6 Ohm Impedanz an...
Das kommt erstens aufs Modell an und zweitens auf die Phantasie des Herstellers...
Viele geben 6 Ohm als Durchschnitt aus z. B. 3 und 9 Ohm an. Laut Norm zählt aber immer der niedrigste Wert.
Bei der Epicon 2 ist der tiefste Wert im Diagramm etwa 3,5 Ohm.