Inder-Nett hat geschrieben:Rank hat geschrieben:Bei einer Keramikmembran die in einer "gewöhnlichen" Gummisicke aufgehängt ist, wird vermutlich die Impulstreue/Präzision auch eher von der Beschaffenheit der Gummisicke bestimmt werden und nicht in erster Linie vom Material der Mebran
Bei einer Mebran aus sehr hartem Werkstoff (z.B. Keramik), besteht dann vermutlich der einzige Vorteil darin, dass diese sich nicht mehr verwinden kann?
Also je härter das Mebranmaterial, desto weniger Einflüsse duch Verwindung/Verformung (wenn man mal mögliche Gewichtsunterschiede ausser acht lässt)
Dafür stellt die Membran eine wesentlich härtere monolithische Masse dar, welche mit der Gummisicke ein Feder-Masse-System bildet, welches zu einer markanten Resonanz neigt. Deshalb ist der hier zitierte Visaton-Hochtöner ja auch gleich werksseitig mit einem Filter ausgestattet, welches diese Resonanz bedämpfen soll und welches (damit es nicht so auffällt) gleich mit in's Gehäuse integriert ist.
Das Folgende ist an alle gerichtet mit paar zusätzlichen Infos - vielleicht interessiert es ja jemanden.
Der Filter bedämpft diese Resonanz nicht. Es handelt sich nur um einen
Saugkreis, der die Impedanzkurve glattbügelt.
Die Impedanz ist bei dieser Resonanzfrequenz erhöht. Die Schwingeinheit will wegen der nicht ausreichenden mechanischen Dämpfung beim Einschwingvorgang größer aufschwingen, als sie gemäß Eingangsspannung sollte. Ist das der Fall, wird durch die "zu große" (= "zu schnelle") Bewegung der Schwingspule im Permanentmagnetfeld eine Gegen-EMK/Spannung in der Schwingspule induziert. Die Resonanz wird also nicht nur mechanisch durch Verluste in der Aufhängung, sondern auch elektrisch bedämpft. Da diese Gegen-EMK entgegen der Eingangsspannung gerichtet ist, drückt sich das in einer Erhöhung der Impedanz bei dieser Frequenz aus.
Diese Resonanz hat jeder Lautsprecher, ansonsten könnte er nicht funktionieren. Sie ist minimalphasig und linear, also klanglich uninteressant, weil man sie perfekt entzerren kann. Typischerweise muss man das aber nicht, weil sie bei fast jedem Kalottenhochtöner zwischen 500 und 2000 Hz und damit außerhalb des Übertragungsbereichs liegt.
Hochtöner mit Ferrofluid im Luftspalt sind durch das Ferrofluid so stark bedämpft, dass sie nur eine geringe Impedanzüberhöhung haben. Sie benötigen meist keinen Saugkreis.
Eine glattgebügelte Impedanzkurve ist sinnvoll, weil eine vorgeschaltete Passivweiche somit eine "weitgehend ohmsche" Last sieht. So können Passivweiche und Lautsprecher zusammen keinen parasitären Schwingkreis eingehen.
Eigentlich geht es hier aber um mögliche Membranresonanzen am oberen Ende des Übertragungsbereichs!

Da schwingen Teile der Membran nicht mehr im Gleichtakt mit der Schwingspule. Hier sieht man z. B., was damit gemeint ist:
http://www.klippel.de/scanner/Example2.asp
Bei harten Kalottenmembranen findet man am oberen Ende des Übertragungsbereichs - meist oberhalb von 20 kHz - eine sehr stark ausgeprägte Resonanz, die sich oft in einer sehr großen Pegelüberhöhung äußert. Diese Resonanz ist kaum bedämpft, weil das Membranmaterial sehr steif ist. Hier schwingt die Membranmitte sehr stark (und um 90° phasenversetzt) im Vergleich zur Schwingspule. Eine solche Resonanz/Pegelüberhöhung kann man hier bei 27 kHz schön sehen:
http://www.seas.no/index.php?option=com ... Itemid=157
Bei weichen Kalottenmembranen liegt diese erste Membranmode zwar im Übertragungsbereich, also unter 20kHz, jedoch ist diese sehr stark bedämpft - eben weil die Membran weich und dämpfend ist.
Übrigens: Bei der KE25SC gibt es diese Pegelüberhöhung praktisch nicht, weil in ihrem Frontgitter ein (durchsichtiges) Plastikplättchen eingeklebt ist. Der Schall wird an diesem Plättchen reflektiert. Es ist so dimensioniert und positioniert, sodass sich genau bei der Resonanzfrequenz eine destruktive Interferenz ergibt, die die Pegelüberhöhung wegfiltert.
Ansonsten: Diese Magisterarbeit ist jedem HiFi-Fan zu empfehlen. Man braucht auch keine höhere Mathematik und Systemtheorie, um sie grundsätzlich zu verstehen.
EDIT: Hab paar Sachen geändert.