Fachkundige und individuelle Beratung ist für uns selbstverständlich - rufen Sie uns an!
Sie erreichen unsere Hotline werktags von 10:00 bis 18:00 Uhr unter der 07171 8712 0 (Samstags: 10:00 bis 12:00 Uhr). Außerhalb Deutschlands wählen Sie +49 7171 87120. Im Dialog finden wir die optimale Klanglösung für Sie und klären etwaige Fragen oder Schwierigkeiten. Das nuForum ist seit dem 19. Juli 2023 im read-only-Modus: Das Ende einer Ära: Das nuForum schließt

Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Diskussionen zum Thema Filme
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Bild
Blu-ray von Blue Underground (USA)


Circle of Iron (USA 1978, Originaltitel: Circle of Iron)

Tuco in der Tonne, Graf Dracula mit Mütze

Cord (Jeff Cooper) will um jeden Preis Zetan (Christopher Lee) finden, der das sagenumwobene Buch allen Wissens bewacht. Bis dahin sind einige Prüfungen zu bestehen, die vordergründig aus Prügeleien mit kampfstarken Widersachern bestehen. Cord fürchtet diese Auseinandersetzungen nicht, denn der selbstbewusste Bursche ist ein ausgezeichneter Kämpfer. Unterwegs begegnet unser Held einem rätselhaften Blinden (David Carradine), der offensichtlich völlig mühelos eine Truppe fieser Schergen umhaut. Beeindruckt folgt Cord dem Blinden, den er zunächst für den gesuchten Zetan hält. Weitere Abenteuer warten auf das ungleiche Duo, wird Cord eines Tages tatsächlich Zugriff auf die wahre Erkenntnis erhalten...???

Richard Moore inszenierte einen bunten und unterhaltsamen Mix aus Abenteuer, Fantasy und Martial Arts, der manchmal wie ein Ausblick auf die wenige Jahre später beginnende Welle der Barbarenfilme anmutet. Die Handlung entführt den Zuschauer in eine antike, exotische Welt, in der sich allerlei Helden, Fieslinge, Paradiesvögel und groteske Gestalten tummeln. Israel diente als Drehort, daher kann "Circle of Iron" mit herrlichen Außenaufnahmen wuchern, bietet dem faszinierten Betrachter wundervolle Kulissen und Ausblicke an. Gern wird werbewirksam darauf hingewiesen, dass Bruce Lee an der Entstehung ursprünglichen Geschichte beteiligt war. Später verlor er vermutlich das Interesse, letztlich wurde das Projekt erst einige Jahre nach seinem Tod realisiert. Eventuell wird sich der ein oder andere Filmfreud an den immer wieder auftretenden philosophischen Anmerkungen des Herrn Carradine stören, sie sind aber ein unverzichtbarer Teil der Geschichte, sorgten bei mir für manchen wohlwollenden Schmunzler.

Jeff Cooper blieb eine grössere Karriere leider verwehrt, da wundert es kaum, dass sich das Cover der BD sich in erster Linie auf David Carradine bezieht. Doch Ehre wem Ehre gebührt, daher zunächst ein paar Worte zu Jeff Cooper. Als drahtiger und ungestümer Held macht Cooper einen guten Job, ferner nimmt man ihm Cords sympathisch dargebotene Naivität ohne Vorbehalte ab. Bereits zum Auftakt darf der langhaarige Recke ein paar andere Kämpfer vermöbeln, bei einem Turnier wird entschieden wer sich auf die Suche nach Zetan begeben darf. Obschon Cord nicht besiegt wird, schickt man einen anderen Zappelheine auf den Weg, Cord wird kurzerhand wegen eines Regelverstoßes disqualifiziert. Natürlich hält diese Tatsache den unbeugsamen Heroen nicht von seiner Mission ab, er heftet sich unverfroren an die Fersen des "eigentlichen" Siegers. Damit ist der Charaker der Hauptfigur treffsicher umrissen, er ist furchtlos, lässt sich keine Vorschriften machen, hat seine Fähigkeiten aus eigenem Antrieb erworben. Ganz anders der blinde Meister, von David Carradine herrlich selbstironisch zum Leben erweckt. Ständig geht im sein Begleiter mit bohrenden Fragen auf den Zeiger, die er stets mit Fragen und/oder Rätseln beantwortet. Das Drehbuch erweist sich dabei als humorvoll, bürdet jedoch keinem Beteiligten den Part einer Knallschote auf. Naja, David Carradine macht sich zumindest in einer Rolle zum Affen, wenn er als eine Art sprechender Affenmensch gegen Cord antritt. Ja, Carradine spielt nicht nur den blinden Meister, er übernahm insgesamt vier Rollen in diesem Film. Neben dem erwähnten Affen sehen wir ihn als Wüstenfürst Changsha, obendrauf in einer (nicht ganz geglückten) Passage als Tod. Der blinde Meister spielt liebliche Melodien auf einer grossen Flöte, die er auch gern im Kampf als sehr hilfreiche Waffe einsetzt. Sicher wäre "The silent Flute" der passendere Titel für den Flick gewesen, man entschied sich jedoch bereits damals für "Circle of Iron". Roddy McDowall, bekannt aus der "Planet der Affen" Reihe, hat zu Beginn einen einprägsamen Auftritt, noch eindrucksvoller gerät die humorige Vorstellung von Eli Wallach, der in der Wüste auf "Diogenes in der Tonne" macht. Muss man sehen und erleben, kann man nicht beschreiben! Auf Christopher Lee habe ich mich selbstverständlich ganz besonders gefreut. Herr Lee bekommen wir jedoch erst in den letzten Minuten zu Gesicht, gewandet in einer wallende Robe, gekrönt durch ein knuffiges Mützchen. Cord trifft auf einen Zetan der kaum seiner Phantasie entspricht, umso überraschender gerät sein Blick... *Spoilergefahr!!!*

Die wichtigsten Akteure sind genannt, was gibt es noch über "Circle of Iron" zu berichten? Gute Darsteller, eine prächtige Landschaft, gekonnt inszeniert und stilsicher von Kameramann Ronnie Taylor eingefangen. Zugegeben, vielleicht muten die philosophischen Ausritte und die etwas grobschlächtige Symbolik ein wenig zu dick aufgetragen an, dennoch -ich muss dies erneut betonen- fügen sie sich ansprechend ins Gesamtbild ein, ohne sie wäre der Film seltsam leer und unfertig. "Circle of Iron" nimmt flott Fahrt auf, hat aber im weiteren Verlauf mit ein paar kleinen, verzeihbaren Hängerchen zu kämpfen. Bei genauer Betrachtung erscheint mir die zeitweilige Drosselung von Tempo und Action sinnvoll, ansonsten würde die Martial Arts Abteilung zu sehr an Dominanz gewinnen, was wiederum dem Gesamteindruck in diesem Fall nicht unbedingt zuträglich wäre. Übrigens sollten Fans wilder Kämpfe keine Meisterleistungen erwarten, in dieser Disziplin zählt die Sause eher zum gepflegten Mittelmaß (was für mich nichts am hohen Unterhaltungswert ändert, da ich die Fights sehr launig finde). "Circle of Iron" macht fast alles richtig, von meiner Seite eine klare Empfehlung!

Dank der guten Blu-ray aus dem Hause Blue Underground, kann man den Streifen in sehr ansprechender Qualität in den eigenen vier Wänden geniessen. Interessantes Bonusmaterial unterstreicht den positiven Eindruck, angenehmerweise kommt die BD codefree daher.

Fazit: Unterhaltsames Abenteuer mit markanten Charakterköpfen, gefilmt vor einer prächtigen Kulisse! Gut bis sehr gut = 7,5/10

Lieblingszitat:

"The desired fruit may be enjoyed without consuming it."


---


Der Werwolf von Washington (USA 1973)

Dean Stockwell spielt einen hirntoten Journalisten, der in Ungarn von einem Werwolf angefallen wird. Zurück in der Heimat arbeitet er eng mit dem US-Präsidenten zusammen, da ist gewaltiger Ärger vorprogrammiert...

"The Werewolf of Washington" ist wohl der bekloppteste Werwolf-Flick den ich je gesehen habe. Unfassbarer Schwachsinn, ein unfassbar aus dem Ruder laufender Dean Stockwell, unfassbare Nebendarsteller, unfassbare Dialoge, ein grosser Haufen Schund! Kein Fall für den Trash-Olymp, aber für Freude des schlechten Geschmack sicher einen Blick wert. Die Bewertung fällt mir nicht leicht. Ich ziehe freundliche 5,5/10 -von denen "normale" Zuschauer mindestens vier Punkte abziehen sollten- irgendwie mag ich diesen debilen Rotz.

Die DVD von WGF/Schröder Media reisst keine Bäume aus, doch letztlich ist die technische Qualität der Auswertung hier sowieso eher unerheblich. Für Trashologen geeignet, alle anderen Menschlein sind hiermit gewarnt!
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Argaweens Wiedergeburt
Semi
Semi
Beiträge: 187
Registriert: Sa 18. Sep 2010, 13:18
Been thanked: 2 times

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Argaweens Wiedergeburt »

INCEPTION
Intelligente Handlung + tolle Besetzung trifft auf 0815 Blockbuster. So würde ich den Film beschreiben. Verstehe nicht, wieso ein paar Leute mit dem Film Probleme haben. Eigentlich war, wenn man aufgepasst hat alles sehr leicht zu verstehen. Mir persönlich war das eindeutig zu viel Action. Die manchmal absolut überflüssig war und die Handlung in keinster Weise weiter gebracht hat und mehr wie eine Ausrede rüber kam, um auch Leuten, was zu geben, die es krachen sehen und hören wollen. Denn von Nolan ist man eigentlich anderes gewohnt.

Heißt jetzt aber alles nicht, dass mir der Film nicht gefallen hätte! Im Gegenteil. Es hat eine tolle Besetzung, ist sehr geil gemacht, es rummst ordentlich, der OST von Hans Zimmer läuft mir sehr oft, viele Effekte lassen einen nur so da 8O sitzen und er besitzt eine intelligente Handlung!

Wenn man einen ähnlichen Film ohne Effektekirmes sehen will, würde ich den Leuten dann eher zu Shutter Island raten. Anderes Konzept aber mir persönlich gefällt dieser ruhigere Film von Scorsese weit aus besser. Übrigens auch mit De Caprio.

Poltergeist
Bewerft mich mit Steinen. Habe diese Perle gestern zum ersten Mal gesehen. Hat mir außerordentlich gut gefallen. Was ist mit Teil 2 und 3? Kann man die schauen oder doch lieber eher die Finger davon lassen?
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Argaweens Wiedergeburt hat geschrieben:Was ist mit Teil 2 und 3? Kann man die schauen oder doch lieber eher die Finger davon lassen?
Gute Filme, die ich knapp unterhalb des ersten Teils einordnen würde.
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Bild
Blu-ray von Splendid


Carriers (USA 2009, Originaltitel: Carriers)

Der Planet befreit sich...

Fast die gesamte Menschheit ist einem tödlichen Virus zum Opfer gefallen. Zu den wenigen Überlebenden zählen die Brüder Brian (Chris Pine) und Danny (Lou Taylor Pucci), die von Brians Freudin Bobby (Piper Perabo) und Kate (Emily VanCamp), einer Bekannten Dannys, begleitet werden. Der flotte Vierer ist auf dem Weg an die Westküste der USA, Brian und Danny wollen unbedingt zurück an den Ferienort ihrer Kindheit. Um jeden Kontakt mit dem tödlichen Erreger zu vermeiden, unterwirft sich die Gruppe selbstauferlegten Regeln, beim Kontakt mit fremden Personen ist ein Mundschutz zu tragen, im Auto führt man jede Menge Desinfektionsmittel mit. Als die Reisegruppe auf den besorgten Frank (Christopher Meloni) trifft, dem auf der einsamen Landstrasse der Sprit ausgegangen ist, entdecken die jungen Leute Franks erkrankte Tochter Jodie (Kiernan Shipka), die bereits deutlich von der Infektion gezeichnet ist. Es kommt zu Spannungen innerhalb der Gruppe, denn Brian denkt zunächst gar nicht daran Frank und Jodie in irgendeiner Form zu helfen. Schliesslich wird eine friedliche Lösung gefunden, doch nicht nur Traumziel der Brüder liegt in weiter Ferne...

"Carriers" wurde von den Brüdern Àlex und David Pastor inszeniert, die ferner für das Drehbuch verantwortlich zeichnen. Anstatt auf Horden geifernder Zombies und/oder verwüstete Landstriche, baut "Carriers" fast ausschliesslich auf das Beziehnungsgeflecht zwischen den Hauptcharakteren. Nur im Ansatz bekommen wir verlassene Ortschaften zu Gesicht, überwiegend spielt sich die Handlung "in freier Wildbahn" ab, die malerische Landschaft verbreitet einen trügerischen Frieden. Freilich kann ein Werk dieser Gangart nur dann funktionieren, wenn die Schaupieler ihren Job beherrschen, überdies das Drehbuch die Charaktere mit Tiefe ausstattet (oder zumindest in einem interessanten Licht erscheinen lässt).

Brian ist der Chef im Ring, er lässt gern den coolen Macker und Macher raus, eckt mit seiner wenig feinfühligen Art häufig bei seinen Mitreisenden an. Chris Pine spielt den großen Bruder mit dem noch größeren Maul überzeugend, gleichzeitig aber frei von Überraschungen. Danny tischt dem Zuschauer eine etwas breitere Palette auf, an der Lesitung von Lou Taylor Pucci gibt es ebenfalls nichts zu meckern. Piper Perabo bietet in der Rolle der Bobby ihrem kernigen Freund bei Bedarf die Stirn, weist Brian notfalls in die Schranken, vermittelt zwischen den Parteien. Die von Emily VanCamp dargestellte Kate mutet nur auf den ersten Blick unscheinbar und langweilig an. Gerade Kate offenbart im Verlauf der Handlung erstaunliche Charakterzüge, hinter der biederen Fassade lauert eine unerwartet konsequente und kalte Person. Neben den vier Hauptrollen präsentiert der Film dem Zuschauer mit Christopher Meloni ein bekanntes Gesicht, Meloni ist seit etlichen Jahren in der TV-Serie "Law & Order: Special Victims Unit" zu sehen. Als Frank treibt ihn die verzweifelte Besorgnis um seine kleine Tocher an, bereit nach nahezu jedem noch so kleinen und dünnen Strohhalm zu greifen. Vermutlich würde fast jeder Vater ähnliche Verhaltensweisen an den Tag legen, entsprechende Szenarien mag ich niemandem wünschen. Kiernan Shipka meistert den Part des todgeweihten Mädchens sehr gut, ihr Schicksal rührt an, drückt aber nicht plump und kitschig auf die Tränendrüse. Auf die übrigen Akteure vor der Kamera gehe ich nicht weiter ein, dazu bleiben ihre Auftritte zu klein und beliebig.

Insgesamt kann man der Besetzung ein gutes Zeugnis ausstellen, alle Beteiligten füllen ihre Rollen mit Leben. Sicher, wirklich tiefschürfend wird es kaum, dennoch bleiben die Charaktere nicht fremd oder lassen den Zuschauer völlig kalt. Mancher Filmfreud wird eventuell bemängeln, dass "Carriers" eine Spur zu wenig nach Endzeit, Massensterben und totalem Untergang aussieht, die Optik zu freundlich und friedlich über den Bildschirm flimmert. IMHO benötigt der Film die gängige Maskerade nicht, geschickt hat man die Handlung auf Nebenstrecken verlegt, streut nur ab und zu eine Prise grafisches Verderben ein. So funktioniert "Carriers" auch ohne typischen "Weltuntergangslook" gut, obschon die Charaktere eine etwas intensivere, tiefere Ausarbeitung verkraften könnten. Vor allem im Hinblick auf die Optik stellt sich die Frage der Machbarkeit, Zeit und Geld setzten wahrscheinlich sicht- und spürbare Grenzen. Aus den Charakteren hätte man durchaus mehr herauskitzeln können.

Macht das Leben noch Sinn, wenn alle nahen Menschen aus dem Leben geschieden sind? Wozu die eigene Qual verlängern, wenn am Ende des Tunnels kein Licht erkennbar wird? "Carriers" klingt ruhig aus, lässt der Phantasie einen gewissen Freiraum. Dass hier die vermeintlich Schwachen am längsten überleben, verpasst der Hoffnung eher Dämpfer, aber ich möchte nicht zu viel verraten. Vielleicht habe ich gelogen, schaut nach, überprüft es.

Die Blu-ray aus dem Hause Splendid präsentiert das Werk in solider Form, an Bord befindet sich eine kleine Bonusabteilung, als "Gag" liegt eine Virenschutzmaske bei. Inzwischen ist die Scheibe für kleines Geld erhältlich, ich bin mit der vorliegenden Auswertung zufrieden, flatschenneurotiker dürfen sich am Wendecover ergötzen. "Carriers" mag nicht der ganz große Wurf geworden sein, doch im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Film kurzweilig inszeniert, gut gespielt und ansprechend fotographiert.

Gut = 7/10

Lieblingszitat:

"Hol das Benzin!"


---


Bild
Blu-ray von Savoy. Endlich offiziell in Deutschland erhältlich, auch als DVD am Start


Heathers (USA 1988, Originaltitel: Heathers)

Ein älterer Kurzkommentar von 2009:

Heathers

Heather, Heather und Heather. Diese drei Mädel sind die coolsten Bräute der High School, bewundert und gleichzeitig gefürchtet. Veronica (Winona Ryder) gehört irgendwie auch zu dieser Clique, schliesslich steht sie gern auf der Seite der vermeintlichen Gewinner. Doch die junge Dame ist längst nicht mit dem Treiben der drei Heathers einverstanden. Zu gern drangsalieren die Pissnelken andere Mitschüler, davon ist Veronica nicht angetan, sogar zunehmend angeekelt. Der Neuling J.D. (Christian Slater) erregt Veronicas Aufmerksamkeit, denn er hebt sich von allen anderen Schülern ab, schwimmt nicht mit dem Strom, macht sogar die prolligen Sportskanonen des örtlichen Footballteams öffentlich zur Sau. Als es zum Krach zwischen der "Ober-Heather" und Veronica kommt, hat J.D. eine Idee wie man das Biest in die Schranken weisen kann. Allerdings gehen seine Vorstellungen weit über Veronicas Rachegelüste hinaus. Bald bricht eine regelrechte Welle von angeblichen Selbstmorden über die Schule her...

"Heathers" (1988) ist ein etwas anderer Teenie-Film. Eine Satire, die ein erschreckendes Zerrbild (?) der amerikanischen Gesellschaft zeigt. Dabei wird der Film teils angenehm böse, erhebt sich aus der breiten Masse des meist recht albernen Genres. Winona Ryder und besonders Christian Slater stellen sich als gute Besetzung heraus, damals noch jung und unverbraucht, in der Frühphase ihrer Karrieren. Die bekannteste "Heather" dürfte heute Shannen "Schiefgesicht" Doherty sein, man nimmt ihr die Rolle einer Mega-Zicke problemlos ab. Die fieseste "Heather" wird von Kim Walker verkörpert, die Schauspielerin verstarb leider bereits 2001 im Alter von erst 32 Jahren.

Als ich den Film damals kurz nach der Veröffentlichung auf Video sah war ich absolut begeistert. Aus der Erinnerung heraus hätte ich 9/10 gezogen. Der erneute Genuss bestätigt diese extrem hohe Einstufung nicht ganz, dazu ist einfach das Ende zu harmlos und brav ausgefallen. Spass macht mir der Streifen aber noch immer, gute bis sehr gute Unterhaltung bietet er ohne Zweifel. Leider gibt es noch immer keine offizielle deutsche Veröffentlichung auf DVD, ergo muss man zu -durchaus brauchbaren- Alternativen greifen!

Macht Spass! 7,5/10

Nachtrag: Die seit einigen Monaten verfügbare BD war längst überfällig, Savoy bietet "Heathers" auch als DVD an. Zum fairen Preis wechselt die anständige BD den Besitzer, das Wendecover kommt ohne Flatschen aus, zeigt ausserdem ein leicht verändertes Bild. An der Bewertung ändert sich nichts, der Flick macht immer wieder Freude, kaufen!

Lieblingszitat:

"Ich hab zum Dank Kotze bekommen!"
"Leck es auf, Baby. Leck es auf!"
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Nubox481fan
Star
Star
Beiträge: 2037
Registriert: Fr 26. Dez 2008, 12:07

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Nubox481fan »

Beastly(BD)

Nette Teeniekitschromanze...

Positiv: Barmey aus "How I met yoer mother" ist mit von der Partie.

Jeder andere würde den Film vermutlich 2-3 Punkte niedriger ansetzen aber ich als alter Romantiker gebe...

6.8

Btw. Auch meine Wertungen sind stimmungsabhängig und können, nüchtern betrachtet, +/- 1 Punkt abweichen. Im nachhinein bertrachtet würde ich bei meinen Wertungen dem ein oder anderen Film Pünktchen abziehen bzw. draufpacken. Was soll ich sagen, alles unterliegt einem ständigen Wandel.
Grüße
Nubox481fan
___________________________________
Ich höre was, was du nicht hörst.
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

Bild
Cover der Derrick Collectors Box 6, welche die Folgen 76-90 enthält


Folge 77 - Dem Mörder eine Kerze (Deutschland 1980)

Pfarrer Scholz (Horst Frank) erhält in der Nacht ungewöhnlichen Besuch, ein Mörder beichtet dem Geistlichen seine Tat. Am nächsten Morgen sucht Scholz das Atelier des Fotografen Dernberg auf, die Kriminalpolizei ist bereits vor Ort, Dernbergs Leiche wurde von dessen Mitarbeiterin dort aufgefunden. Kurz vor seinem Tod konnte das Opfer noch das Wort "Schule" auf einen Zettel schreiben. Derrick und Klein wundern sich über das unerwartete Auftauchen des Pfarrers, beschäftigen sich jedoch zunächst mit der durch die Notiz entstandenen Spur. Offenbar arbeitete Dernberg gern mit jungen Leuten zusammen, die er für Werbefotos engagierte und recht gut für ihre Dienste entlohnte. Schnell ist die passende Schule gefunden, nicht minder flott weckt das Verhalten des Klassensprechers Albert Hess (Sven-Eric Bechtolf) reges Interesse bei den Ermittler. Derrick hofft auf die Hilfe von Pfarrer Scholz, der an der betreffenden Schule häufiger den Religionsunterricht abhält, daher auch Albert und seine Klassenkameraden kennt. Doch Scholz fühlt sich dem Beichtgeheimnis verpflichet, lässt sich zu keiner eindeutigen Aussage bewegen. Welche Rolle spielt der zunehmend hektisch und ängstlich wirkende Horst Gronau (Sascha Hehn), der ebenfalls für Dernberg vor der Kamera stand, nun an der Übernahme des Studios interessiert zu sein scheint...???

Horst Frank überzeugt als Pfarrer auf ganzer Linie. Pfaffe Scholz versteckt sich nicht mit abgebrühter Routine hinter seinen Sonderrechten, sondern trägt die innere Zerrissenheit seines Charakters sehr eindrucksvoll zur Schau. Käte Jaenicke sehen wir als Haushälterin des Kirchenmannes, die mit der tragischen Situation hoffungslos überfordert ist, obschon sich ihr die gesamte Tragweite nicht erschliesst. Sven-Eric Bechtolf füllt den Part des von Zorn und Leidenschaft angetriebenen Schülers mit Leben aus, trotz der eher "lauten" Anlage der Rolle, gewährt man Bechtolf auch ruhige und feinfühlige Momente. Eva-Ingeborg Scholz spielt die "Heile-Welt-Mami" des jungen Mannes, die reichlich weltfremd und schönfärberisch auf das Leben ihres Sohnes blickt. Sascha Hehn umgibt etwas schleimig-schmieriges, was freilich prächtig zur aalglatten Erscheinung des Blondschopfs passt. Katja Bienert sehen wir als jugendliches Wrack, Rolf Castell als ihren hilflosen Vater. Horst Tappert behält stets den Überblick, weist Fritz Wepper bei Bedarf in die Schranken (und/oder bringt ihn auf Kurs), worauf Harry in einer Szene beleidigt auf der Rückbank des Dienstwagen Platz nimmt.

"Dem Mörder eine Kerze" ist eine sehr starke Folge. Zwar ist der Kriminalfall nicht unbedingt schwer zu knacken, doch (einmal mehr) sorgt das tolle Ensemble für jede Menge Wiedersehensfreude und Wiedererkennungswert. Die nach und nach aufgedeckten Schweinereien bereiten den Nährboden für ein beklemmendes Gefühl. Wenn Derrick schliesslich im Pornokino erschreckende Erkenntnisse eindringlich untermauert sieht, ergiesst sich eine wohlige Ladung Sleaze über den Zuschauer. Der Weichspüler kommt freundlicherweise nicht zum Einsatz, das Finale mündet in die Zerstörung weiterer Leben, setzt ein bitteres Ausrufezeichen. Auf den erhobenen Zeigefinger wird verzichtet, (fast) niemand ist frei von Schuld, weder der Mann der Kirche, noch die Jugendlichen. Umso höher ist der Verzicht auf den Versuch einer moralinsauren Gängelung des Betrachters zu werten, ein mutiges, starkes Drehbuch! Dietrich Haugk inszenierte die sehr gelungenen Folgen "Tod der Kolibris" (#16, 1976) und "Karo As" (#65, 1979), mit "Dem Mörder eine Kerze" kann er seine vorherigen Arbeiten sogar noch toppen. Frank Duval steuerte den Song "Angel of Mine" bei, der im Dezember 1980 im deutschsprachigen Raum die Charts eroberte. Vielleicht nicht Duvals beste Arbeit, aber ohne Zweifel ein angenehmer Popsong. Für mich gehört dieser Fall zu den bisher stärksten der Reihe, ein echter Klassiker des deutschen TV-Krimis!

8/10 (sehr gut)


---


RoboCop 3 (USA 1993)

Der OCP-Konzern will seine miesen Machenschaften ohne Skrupel durchziehen. Ein kompletter Stadtteil Detroits soll geräumt werden, die Einwohner werden mit Waffengewalt vertrieben. Als fiese Schergen RoboCops Lieblingskollegin Anne Lewis abknallen, stellt sich der stahlharte Gesetzeshüter endgültig gegen das pervertierte Unternehmen, schlägt sich auf die Seite der rebellischen Bürger. Doch selbst RoboCop scheint gegen die gnadenlose Übermacht chancenlos...

Im Vergleich zu den Vorgängern verliert der dritte Aufguss des Blech-Bullen deutlich an Boden. Schon Teil 2 konnte die Klasse des Erstlings nicht halten, nun geht es weiter abwärts. Vor allem mangelt es an Härte und Zynismus, Action und Humor könnten deutlich mehr Power vertragen. Dennoch hat die etwas zahnlose Veranstaltung ihre Reize, entwickelt hin und wieder trashigen Charme. Spätestens wenn RoboCop im Finale wie ein Düsenjet fliegt (!) bleibt kein Auge trocken, der "normale" Zuschauer wird vermutlich mit hochroter Zornesbirne fluchend den Raum verlassen. Herrlich bekloppt kommt der japanische "Killer-Cyborg" rüber, der dem tapferen Robo ordentlich einschenkt, aber leider zu kurz zum Zuge kommt.

Wer bereits mit dem zweiten Teil nicht mehr einverstanden war, sollte eine Sichtung dieses Machwerks unbedingt vermeiden! Peter Weller wurde übrigens durch Robert John Burke ersetzt (was nicht weiter stört), Nancy Allen darf sich stilvoll verabschieden, mit Rip Torn, Mako, Jill Hennessy und CCH Pounder gibt es bekannte Gesichter aus der zweiten Reihe zu sehen. Mir liegt die britische DVD-Box mit allen drei Teilen vor. Die gebotene Qualität ist ordentlich, das Set gibt es zum Spottpreis, Englischmuffel dürfen sich bei allen drei Filmen über die deutsche Tonspur freuen. Seit einiger Zeit sind die Filme auch auf BD erhältlich, ich kann in diesem Fall aber gut mit den vorhandenen DVDs leben.

6/10 - Die allerdings mit Vorsicht zu geniessen sind, man sollte schon einen Hang zu debilen Auswüchsen haben!
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Bild
Kleine Hartbox aus der Trash Collection von CMV (#50)


Top Mission (Hongkong 1987, Originaltitel: Top Mission)

Jenseits des Verstands

Ein ehemaliger Agent der CIA dreht durch, sorgt mit seiner kleinen Privatarmee für Ärger. Der zuständige Chef setzt seine beiden besten Männer auf den Krawallbruder an. Zunächst wollen die Herrschaften nicht glauben, dass ihr ehemaliger Mentor nun am anderen Ende des Tischtuchs zieht. Ein Treffen mit Mr. Größenwahn räumt jedoch alle Zweifel aus dem Weg, der Kerl muss schnellstmöglich eingesargt werden! Freilich hat der Schurke bereits Gegenmaßnahmen eingeleitet, die Lage eskaliert unaufhaltsam...

Viele Worte muss ich nicht über dieses Machwerk verlieren. Nur wer auf völlig bescheuerten Actiontrash aus der untersten Schublade steht, wird "Top Mission" eventuell in voller Pracht über den Bildschirm/die Leinwand taumeln und poltern lassen, vielleicht sogar ertragen können. Schundmeister Godfrey Ho versteckt sich diesmal hinter dem Pseudonym Henry Lee. Keine Ahnung warum, denn ist der Ruf erst ruiniert, trasht es sich bekanntlich völlig ungeniert...

C-Action wird durch ein kleines Familiendrama und eine Flugzeugentführung ergänzt, eine kleine Dosis Titten rundet das meisterliche Filmchen ab. Vermutlich hat Herr Ho die vorliegende Sause aus Material zusammengewürfelt, welches "eigentlich" nicht nur für einen Film bestimmt war (was bei ihm keine Seltenheit darstellt). So kommt zusammen was nicht zusammengehört, noch weniger zusammenpasst, sowieso keinen Sinn ergibt, egal in welcher Schnittfolge das Totalversagen aller Mitarbeiter dem Zuschauer aufs Fressbrett gekloppt wird. Ich habe keinen Bock die Namen der Fratzen aufzulisten, die sich vor der Kamera der völligen Lächerlichkeit preisgeben. Schon der Auftakt sorgt für Schenkelklopfer, ein Supertyp pflügt mit der Pumpgun den Garten um, sein werter Kollege nagelt lustvoll eine wenig attraktive Dame. Besonders die Rammelszene treibt dem Trashologen mit Hang zum Sleaze die Freudentränen aus den eitrigen Kanälen. Madame quittiert die Attacken ihres Stechers mit wohligem Gestöhne, während Mr. Sackhuber unglaubliche Sprüche aus dem Mund hervorquillen. Damit ist längst nicht der Gipfel der Schaffenskraft erreicht, Meister Ho übertrifft sich mehrfach selbst. Ohne Vorwarnung eiern die Helden in bunten Kostümchen durchs Hinterland, schwingen die Schwerter, tragen lustige Stirnbändern mit der Aufschrift "Ninja". Schon taucht wieder ein fieser Killer des oberfiesen Fieslings auf, den unsere Helden quasi mit einem kalten Lächeln von der Platte putzen. Was treibt den bösartigen Abtrünnigen überhaupt an? Die Gründung eines eigenen Staates? Der Griff nach der Weltherrschaft? Die Qualen nach dem Genuss einer Überdosis Bohnensuppe? Egal, er will um jeden Preis eine geheime Superduber-Laserwaffe in seine Krallen bekommen. Um seine Forderung zu untermauern, lässt er frisch rekrutierten Hilfsbösewicht ein Flugzeug entführen. Frischling Hilfsbösewicht ist durch unglücklich Umstände auf die schiefe Bahn geraten, aber das tut nichts zur Sache... und überhaupt...

Was zum Geier??? Godfrey Ho fügt seiner Filmografie mit "Top Mission" einen weiteren Tiefpunkt hinzu. Handwerkliches Unvermögen, der Verzicht auf eine nachvollziehbare Handlung, extrem ungelenker Schnitt, "Schauspieler" aus der Klapse, keinerlei Gespür für Spannung oder halbwegs brauchbar choreografierte Action. Sinnlose Gewalt, eine Prise Sleaze, fertig ist die Laube. Der endgültige Gnadenhammer prügelt allerdings in Gestalt der deutschen Synchronisation auf den Filmfreud ein! Wer für diese faulige Sülze aus der Sondermülltonne verantwortlich zeichnet, hat vermutlich zuvor (und/oder währenddessen) die Reste seines kranken Hirns mit Unmengen illegaler Substanzen in den Orbit geschossen. Ich verzichte auf Beispiele, da auch mir ansonsten die Einlieferung in die geschlossene Abteilung droht.

Die wundervolle Trash Collection aus dem Hause CMV, hat es inzwischen auf mehr als 80 Titel gebracht! Dem Fan bietet die Reihe eine bunte Mischung aus unterschiedlichen Genres, Herkunftsländern und Entstehungszeitpunkten. Eine Reise durch die Jahrzehnte, einmal, zweimmal, dreimal rund um die Welt, zurück in die Zwangsjacke der grauen Verdammnis. Mancher Titel mag gar nicht so furchtbar "trashig" anmuten, doch bei "Top Mission" trifft der Stempel genau ins Zentrum des schwabbelnden Schwachsinns. Wie üblich kommt die DVD in einer kleinen Hartbox ins Haus, die gebotene Bildqualität ist Nebensache, sie erfüllt ihren Zweck, die Boni sind rar.

Jeder Versuch diesen Film irgendwie "seriös" zu bewerten -was ich sowieso weder kann noch will, bei keinem Film- erscheint mir völlig unmöglich. Mehr als 2/10 sind eine Frechheit, ein Faustschlag ins Gesicht versierter Filmemacher. Mir machen die Entgleisungen des Herrn Ho immer wieder Spass, ergo ziehe ich 6/10 auf dem Trash-O-Meter, rate gleichzeitig jedem "normalen" Zuschauer zur Vorsicht. Was solls, "normale" Menschen werden eine Sichtung sowieso kaum in Erwägung ziehen, also traut euch ran, liebe Trash-O-Matiker.

Ganz ohne Lieblingszitat geht es dann noch nicht:

"Ihr dämlichen Nachgeburten! Ich hätte wissen müssen, dass ich Krüppel schicke! Was glaubt ihr, was wir hier machen!?"
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

BildBild
Grosse Hartboxen von X-Rated


Emanuelle im Sexrausch aka Emanuelle Nera und ihre wilden Hengste (Italien 1976, Originaltitel: Emanuelle Nera No. 2)

Shulamith Lasri statt Laura Gemser

Emanuelle (Shulamith Lasri) leidet unter massiven Gedächtnislücken, der erfahrene Psychologe Paul (Angelo Infanti) behandelt die junge Frau in seiner Klinik. In Beirut wurde Emanuelle in Kampfhandlungen verwickelt, doch ist dieses traumatische Erlebnis tatsächlich für ihren Zustand verantwortlich? In langen Gesprächen versucht Paul mehr über die Vergangenheit seiner Patientin zu erfahren, nebenbei trifft er sich mit Menschen aus ihrem Umfeld. Offenbar ist Emanuelles Blick in Vergangenheit stark verzerrt, so stellt sie z. B. ihren Vater (Don Powell) als haltlosen Trinker dar. Beim ersten Kontakt mit dem angeblichen Alkoholiker erlebt der Seelenklempner eine Überraschung, denn der alte Herr entspricht in keinster Weise den Ausführungen seiner Tochter. Paul trifft weitere Personen die Emanuelle nahestanden, hofft darauf den Nebelschleier aus der Psyche seiner Patientin zu vertreiben. Welches schreckliche Ereignis war der tatsächliche Auslöser für den Gedächtnisverlust der rassigen Schönheit, sowie für ihr seit längerem gestörtes Sexualverhalten? Wird der Mediziner das Rätsel zum Wohl seiner Patientin lösen können???

Regisseur Bitto Albertini sorgte vor diesem Film für den Auftakt der losen Filmreihe Black Emanuelle, 1975 inszenierte er "Emanuelle Nera" mit Laura Gemser in der Titelrolle. Frau Gemser sollte noch häufiger in die Rolle der Emanuelle schlüpfen, doch diesmal sehen wir eine gewisse Shulamith Lasri als Hauptattraktion des Geschehens. Frau Lasri kann zwar nicht mit der anmutigen, edlen Schönheit einer Laura Gemser konkurrieren, wirft jedoch ersatzweise einen herrlich prallen Früchtekorb in die Waagschale, der auf einem knackigen Fahrgestell durch die Kulissen wandelt. Zwar mag mir ihr ein wenig herbes Antlitz weniger gefallen, doch unterhalb der Kinnlade regiert die dralle Freude, mir hängt noch immer die Zunge aus dem Halse (Contenance, Contenance!).

Emanuelle Nera No. 2 kommt erwartungsgemäß mit einigen erotischen Szenen daher, es geht dabei aber nie allzu wüst zu, auf HC-Inserts wurde passenderweise gänzlich verzichtet. Albertini reiht nicht nur Gerödel an Gerödel, er haucht den Figuren Leben ein, streut hier und da eine kleine Prise Humor über uns aus. Der Auftakt entpuppt sich als Ritt durch die Phantasie der Hauptfigur, Emanuelle erlebt diverse Folterszenarien an unterschiedlichen Schaupläzen. Hier spielt der Film gekonnt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, verneigt sich gleichzeitig augenzwinkernd vor anderen Spielarten des Genrekinos. Clever treibt das Drehbuch die Handlung vorwärts, die Zeitsprünge muten nie plump an. Dies gelingt durch den treffsicheren Einbau einer knuffigen Nebenrolle. Der extrem sympathische Attilio Dottesio rückt Doc Paul mit "aufgezwungen" Vereinbarungen zu Leibe, mit denen er stets zum "vereinbarten" Termin beim Leiter der Klinik auf der Matte steht. Angelo Infanti wird nicht auf die Rolle des behandelnden Psychologen begrenzt, Blicke in sein Privatleben zeigen uns das angespannte Verhältnis zu seiner Gattin, die die Arbeit ihres Ehemannes mit Skepsis und zunehmender Eifersucht beäugt. Immerhin behandelt der Göttergatte junge Schönheiten, die teils von einem ausgeprägten Hang zur Nymphomanie angetrieben werden.

Nein, eine liebliche Schönheit ist Shulamith Lasri in meinen Augen nicht. Dennoch versprüht sie jede Menge Power und einen offensiven Sex-Appeal, dem ich mich nicht entziehen kann, sowieso nicht entziehen mag. Die Darstellung der gepeinigten, trotzigen und manchmal wilden Emanuelle gelingt ihr gut, Lasri kommt sehr natürlich rüber. Angelo Infanti sprengt das Klischee des notgeilen Fieslings, den man "eigentlich" in einem Streifen dieser Gangart erwartet. Zunächst scheint seine Rolle ambivalenter Natur zu sein, die falsche Fährte verschwindet allerdings flott, der Psychologe ist eine ehrliche und seriöse Haut. An Infantis Spiel gibt es kaum ernsthafte Kritikpunkte, vielleicht wird es in wenigen Szenen eine Spur zu theatralisch, dennoch bewegt sich Infanti dauerhaft im grünen Bereich. Don Powell gibt den betroffenen Vater, Percy Hogan den drahtigen Gatten Emanuelles, den die Gelüste seiner Liebsten fast die Karriere als Profisportler kosteten. Dagmar Lassander agiert als zickiges Weib des Herrn Infanti, darf aber letztlich eine positive Entwicklung vorweisen, verkommt auf diese Weise nicht zum nervigen Abziehbild. Attilio Dottesio erwähnte ich bereits, seine kleine Rolle ist vorbehaltlos liebenswert. Danielle Ellison ist als notgeile Nichte des Klinikbosses unterwegs, sie sorgt für einen angenehmen Schmuddeltouch, ohne dabei tatsächlich völlig aus dem Ruder zu laufen. Ferner gibt es eine scharfe Krankenschwester zu sehen, die sich hin und wieder mit dem trotteligen Pförtner austauscht, dazu noch Franco Cremonini als dürren Fotographen.

Freilich darf man von "Emanuelle Nera No. 2" kein tiefsinnigen Charakterstudien erwarten. Klar, es gibt überdies zweifellos Szenen, die die Handlung nicht vorwärts bringen. Das Krankenschwesterchen und der Schrankenmann dienen lediglich als Aufhänger für Unfug und Gerammel, bremsen den Film aber trotzdem nicht nachhaltig aus. Die Augen werden nicht nur durch aufregende Kurven verwöhnt, kurzzeitig entführt man uns nach Venedig, die Innenaufnahmen mag sich schon wegen ihres typischen 70er-Jahre-Looks gern. "Emanuelle Nera No. 2" verschiebt keine Grenzen, lotet keine Extreme aus, bleibt in den SC-Szenen eher brav. Mir hat der Flick viel Spass gemacht, ich bin tauche ungemein gern in die unvergleichliche Atmosphäre ein, die das italienische Genrekino der siebziger Jahre zu einem unverzichtbaren Freudenspender und Hochgenuss macht. Da stört selbst die fast banale Auflösung nicht, die der aufmerksame Zuschauer sich sowieso lange vor dem Ende der Sause ausmalen kann. Der Streifen ist kein Film für Menschen die an jeder Kleinigkeit rumnörgeln, dem Liebhaber wird angenehme Unterhaltung geboten, schöne Frauen mit aufregenden Kurven, gewürzt mit Humor und hübschen Kulissen.

Mir liegt der Film in zwei Varianten vor. Zunächst als deutsche DVD aus dem Hause X-Rated, die in brauchbarer Qualität ins Haus kommt. Zusätzlich befindet sich diese US-Box von Severin in meiner Sammlung:

Bild
Black Emanuelle's Box - Volume 2

Auf dem Cover ist Laura Gemser zu sehen, die bekanntlich den Titel der "echten" Black Emanuelle für sich in Anspruch nehmen darf. Sie ist in der Hauptrolle der beiden anderen enthaltenen Filme zu sehen:

• Black Emmanuelle / White Emmanuelle (1976)
• Emanuelle and the White Slave Trade (1978)

Die Severin-DVD bietet ein im Vergleich zur X-Rated ein besseres Bild, zudem ist die gebotene Fassung etwas anders geschnitten. Ausserdem bietet Severin ein Interview mit Dagmar Lassander an, X-Rated "Bonusszenen" (die aber IMHO in der US-Fassung sowieso enthalten sind). Man kann sicher gut mit der einheimischen Scheibe leben, die US-Ausgabe ist eine angenehme Ergänzung, die Box steht aber hauptsächlich wegen der beiden anderen Filme in meiner Sammlung. Als Fanatiker bin ich glücklich beide Varianten zu besitzen, der Wahn kennt keine Grenzen. Übrigens bietet die Severin-Box eine Soundtrack-CD zu den enthaltenen Streifen an!

Fazit: Schön, gut, knuffig und unverschämt liebenswert! Dicke 7/10 + Wohlfühlpunkte

Lieblingszitat:

"Du bist herrlich! Wie eine Mondgöttin! Wie eine Pantherin!"
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Bild


Die Verfluchten (Der Untergang des Hauses Usher) (USA 1960, Originaltitel: House of Usher)

Corman, Price & Poe - Der erste Streich

Philip Winthrop (Mark Damon) will seine Verlobte Madeline Usher (Myrna Fahey) endlich zu sich nach Boston holen. Als er das herrschaftliche Anwesen ihrer Familie erreicht, wundert sich der junge Mann über die Abwesenheit jeglicher Flora und Fauna, eine trostlose und bedrohliche Stille umhüllt das alte Gemäuer. Der erste Kontakt mit einem Bewohner des Hauses gestaltet sich kaum erfreulicher, der hüftsteife Diener Bristol (Harry Ellerbe) lässt den Besucher nur ungern über die Türschwelle schreiten, denn Madeline sei krank und bettlägerig. Wenige Momente später trifft Philip auf Roderick Usher, Madelines äusserst verschrobenen und abweisenden Bruder. Roderick verweigert Philip zunächt jeglichen Kontakt mit Madeline, fordert den ungebetenen Gast mit Nachdruck zur sofortigen Abreise auf. In seiner Verliebtheit denkt Philip nicht daran den Worten des Hausherrn zu folgen, völlig wirr und unglaubwürdig scheint dessen Gerede über einen alten Fluch zu sein, der angeblich auf der Familie Usher und deren Haus liegen soll. Im Gegensatz zu ihrem Bruder, freut sich Madeline sehr über die Ankunft ihres Verlobten, schreckt aber zunächst vor einem überstürzten Aufbruch in ihr neues Leben zurück. Unaufhaltsam braut sich unfassbares Unheil über dem Hause Usher zusammen, Roderick wird nicht müde den ungeliebten Störenfried zur Rückkehr nach Boston zu drängen, selbstverständlich ohne Madeline...

"House of Usher" ist der erste Film aus der Reihe der Poe-Verfilmungen von Roger Corman, die der damals noch junge Filmemacher im Zeitraum von 1960-1965 inszenierte. Stets wirkte Vincent Price in diesen Werken mit, lediglich bei "Lebendig begraben" (The Premature Burial, 1962) stand Price nicht zur Verfügung. Jeder dem Gothic-Horror zugeneigte Filmfreund wird die Streifen kennen, ergo werde ich mich auf wenige Zeilen beschränken, das Netz gibt genügend Lesestoff zum Thema her.

Sofort wird uns unmißverständlich vor Augen geführt, dass wir es mit gepflegter Gruselunterhaltung zu tun bekommen. Dicke Nebelschwaden liegen wie wabernde Leichentücher über dem Szenario, das direkte Umfeld des alten Gebäudes wirkt tot und trostlos. Nicht minder trist steht das finstere Anwesen in der Landschaft, der Putz bröckelt nicht nur von der Außenhülle, auch im Inneren knirscht und ächzt es an allen Ecken und Enden. Treffender und eindeutiger kann man den Verfall einer Sippe nicht symbolisieren, überdies dem gesamten Adel, der sogenannten "besseren Gesellschaft", den Spiegel vor die entstellte Fratze halten, nachdem zuvor gnadenlos die Masken heruntergerissen wurden. Unaufhaltsam schreitet der Verfall voran, entlädt sich in einem höllischen Inferno des Grauens, der Begriff "Untergang" ist hier keineswegs nur eine leere Worthülse. Mit Floyd Crosby hatte Roger Corman einen erfahrenen Kameramann an seiner Seite, die stimmungsvollen Bilder wurden von Les Baxter mit einem zupackenden Score untermalt. Kurzzeitig schaut Corman gar über den Tellerrand des wohligen Genres hinaus, eine "farbenfroh-hysterische Albtraumsequenz" mutet wie ein Fingerzeig auf psychedelische Trips an, die in den späten sechziger Jahren das Blut in Wallung bringen sollten. Im Haus hängen zudem schaurig-schräge Gemälde, quasi eine gar schröcklich-schöne Ahnengalerie der Familie Usher, herzallerliebst!

Dank der kammerspielartigen Anlage des Werkes, kommt "House of Usher" mit wenigen Darstellern aus. Der "flotte Vierer" bedarf fast nie einer Ergänzung, umso schwerer lastet die Verantwortung auf den Schultern der Akteure vor der Kamera. Mark Damon war später häufiger in italienischen Filmen zu sehen, Sandalen-Sausen und Western gehörten dazu, aber auch der schöne Giallo "Sieben Jungfrauen für den Teufel" (Nude... si muore, 1968) von Antonio Margheriti. Damon passt prima in die Rolle des zunehmend verzweifelten Verlobten, steht allerdings im Schatten der übrigen Besetzung. Seine Figur sorgt für den bodenständigen Teil, schauspielerisch freilich eine weniger reizvolle Bühne. Dennoch meistert Mark Damon seine Aufgabe angemessen, ich könnte ihn mir auch gut in Hammer-Flicks vorstellen, in denen er sich gegen den Grafen Dracula oder Herrn Frankenstein zu Wehr setzen muss (dazu kam es jedoch nie). Harry Ellerbe kommt bereits eine Spur kantiger rüber, bewahrt aber die Contenance, gefällt mit seiner knarzigen Art, die auf besondere Weise sympathisch bleibt. Myrna Fahey versteht es den Zuschauer zu überraschen. Was als typische Darbietung des ängstlichen und hilflosen Weibleins beginnt, mündet in toll gespieltes Gegeifer, dämonisch und erschreckend, schaut euch diese Augen an! Klar, der Star ist und bleibt Vincent Price, einer der ganz Grossen des Genres, zusammen mit Peter Cushing und Christopher Lee die Krönung des Gothic-Grusels. Price spielt bekanntlich meist überzogen, "irgendwie" immer eine Spur drüber, kippt aber nie in unfreiwillig alberne Untiefen ab. Ungehalten tritt er in seiner ersten Szene Mark Damon gegenüber, wird gleichzeitig durch die bloße Anwesenheit des unerwünschten Besuchers gepeinigt, großartig! Wer könnte die teils pathetischen Dialoge besser als Vincent Price vortragen, vor allem dermaßen packend? (Das war keine Frage, das ist eine Feststellung!)

Damit will ich meinen Kurzkommentar beschliessen, als Fan muss man den Film sowieso kennen, Einsteigern rate ich aus Überzeugung zur Sichtung! MGM präsentiert "House of Usher" in solider Qualität, leider gibt es lediglich einen Trailer als Bonus. Die Aufmachung der Scheibe ist zweckmäßig, zweifellos hätte dieser Edelstein eine liebevoller gestaltete Ausgabe redlich verdient. Da der Film immer im Zentrum meines Interesses steht, kann ich trotzdem eine klare Kaufempfehlung für die DVD ausprechen.

Sehr gut = 8/10 (Zunächst wollte ich 7,5/10 ziehen, da ich andere Filme aus Cormans Reihe noch mehr liebe, doch unterhalb 8/10 geht dieser Oberknuffel nicht durch!)

Lieblingszitat:

Zwei fahle Tropfen Licht, die in der alles verschlingenden Dunkelheit flackern.
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Benutzeravatar
Blap
Star
Star
Beiträge: 8773
Registriert: Di 24. Sep 2002, 18:06
Wohnort: Sofa des Todes
Been thanked: 1 time

Re: Welche DVD gab's zuletzt (im Player)?

Beitrag von Blap »

Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

Bild
Cover der Derrick Collectors Box 6, welche die Folgen 76-90 enthält


Folge 79 - Der Kanal (Deutschland 1981)

Herbert Junker (Bernd Herzsprung) ist ein echter Schwerenöter, momentan trifft er sich häufig mit seiner Liebschaft Elisabeth Röder (Claudia Rieschel) in einem abgelegenen Landgasthof vor den Toren Münchens. Nachdem wie üblich ein paar Stößchen geplaudert wurden, macht sich Elisabeth auf den Weg nach Hause, ihr Ehemann Jürgen (Volker Eckstein) schöpft ohnehin Verdacht. Herbert Junker will sich noch umsehen, ein anonymer Anruf im Gasthof hat ihn beunruhigt. Einige Stunden später wird Herberts Leiche aus einem Kanal gefischt, zuvor wurde sein herrenloses Auto mit laufendem Motor auf der Strasse entdeckt. Für Derrick und Klein ist Jürgen Röder zunächst der Hauptverdächtige, sein merkwürdiges Verhalten und ein mangelhaftes Alibi belasten ihn schwer. Doch welche Rolle spielt Hannelore Junker (Helga Anders), die Ehefrau des Opfers hatte immerhin seit längerer Zeit unter den amourösen Eskapaden ihres Mannes zu leiden. Auch Herr Zeissler (Wolfgang Wahl), der Schwiegervater des Getöteten, hatte keine hohe Meinung von Herbert Junker, wer sieht die eigene Tochter gern leiden? Die Kriminalbeamten treffen bei ihren Ermittlungen ferner auf Jürgen Röders aufbrausenden Vater (Hubert Suschka), der seinen Hang zum tyrannischen Familienboss offensiv zur Schau trägt. Der Kreis der potentiellen Täter scheint beständig zu wachsen, was ist wirklich mit Herbert Junker geschehen...???

Bernd Herzsprung erweist sich als ideale Besetzung für den Part des windigen Rittmeisters, der gern und häufig die ehelichen Fesseln abstreift. Dennoch wird er nicht als völlig sorgloser Filou gezeichnet, ein rätselhafter Anruf weckt seine glaubwürdig gespielte Besorgnis. Claudia Rieschel investiert mehr Gefühle als ihr Liebhaber, andeutungsweise scheint sie ihre Ehe für ihn aufgeben zu wollen, was von Herzsprung nonchalant übergangen wird. Herzsprung und Rieschel funktionieren als ehebrecherisches Paar sehr gut, im späteren Verlauf der Folge wird Rieschel mehr in den Hintergrund gedrängt. Volker Eckstein war bereits häufiger in der Reihe zu sehen, besonders in "Anschlag auf Bruno" (54) lieferte er eine erstklassige Leistung ab. Einmal mehr agiert er als angespannter und überforderter Zeitgenosse, der zu allem Überfluss unter seinem geringen Selbstwertgefühl leidet. Bei dem Vater kein Wunder, Hubert Suschka poltert lautstark umher, bringt kein Verständnis für seinen schwachen Sohn auf. Entsprechende Charaktere liegen Suschka, spontan muss ich an seine Rolle als fieser Gangster denken, die er in "Perrak" (1970) mit Bravour zum Besten gab. Wolfgang Wahl vertritt als Oberhaupt der anderen in den Fall involvierten Familie ähnliche Ansichten, verkündet diese weniger lautstark, allerdings keinesfalls weniger bestimmt. Mein sinnlicher Höhepunkt dieser Folge kommt in Form von Helga Anders daher. Ihr Auftritt gerät diesmal zwar längst nicht so beeindruckend wie z. B. in "Kaffee mit Beate" (46), doch ich fühle mich stark zu dieser attraktiven Frau hingezogen, die mich "irgendwie" an die lechzige Lina Romay erinnert. Leider verstarb Helga Anders bereits 1986 unter tragischen Umständen. Max Griesser und Monika Baumgartner sehen wir als Gastwirt und dessen Tochter, sie runden das starke Ensemble gelungen ab.

Diesmal gibt es gewissermaßen ein "familienübergreifendes Familiendrama" auf die Augen, eine vermeintlich harmlose Affäre mündet in ein Drama mit tödlichem Ausgang. Mir hat die winterliche Kulisse sehr gut gefallen, die mit ihrer reizvollen Tristesse wie für mich geschaffen ist, sich ausserdem der Atmosphäre als äusserst zuträglich erweist. Für meinen Geschmack ist "Der Kanal" eine der besten von Helmut Ashley inszenierten Folgen, in der Vergangenheit sorgte der Regisseur nicht unbedingt für die Höhepunkte der Reihe. Der erhobene Zeigefinger bleibt in der Tasche, die Umtriebe der Ehebrecher werden weder geschönt noch angeprangert. Lediglich Harry scheint ein wenig angenervt zu sein, ordnen wir sein Verhalten wohlwollend unter "ermittlungstaktike Maßnahmen" ein. Als musikalische Untermalung hält ein Disco-Song her (dessen Titel ich nicht kenne), der mit seinem sanften Gestöhne perfekt zur frühen Phase von "Der Kanal" passt. Was gibt es noch zu berichten? Am liebsten möchte ich in die Glotze springen und Helga Anders trösten, glücklichweise sind die Gedanken frei, darf die Phatasie wirre Netze spinnen. Eine gute und unterhaltsame Folge, starke Schauspieler treffen auf ein solides Drehbuch und eine schöne Winterstimmung.

7/10 (gut)
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)
Antworten